Marissa Nadler - The Sister - Cover
Große Ansicht

Marissa Nadler The Sister


  • Label: Box Of Cedar/CARGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

In den leisen, zerbrechlichen Tönen von „The Sister“ ist die Aufmerksamkeit eine Eigenschaft, die beherzigt werden sollte.

Auf ihrem sechsten Album „The Sister“, das tatsächlich als Verwandter zum letztjährigen, selbstbetitelten Vorgänger gesehen werden soll, verabschiedet sich die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Marissa Nadler vom ansonsten vorherrschenden Thema des gebrochenen Herzens und geht doch gewohnt intim zu Werke. Bedient sie sich nun bei einem bunten Strauß an Themen wie Kindheit, Freundschaft, Hoffnung und selbstredend wieder der Liebe, ist die Folk-Interpretation der schüchternen Poetin in Zärtlichkeit sowie musikalischer Zurückhaltung gebettet.

Geschmacksverstärkende Maßnahmen müssen neben der gezupften Gitarre und zeitweise empor steigender Streicher auch gar nicht getroffen werden, wenn Marissa allein mit ihrer Stimme die Sorgen von einem streicht. Ob mystisch verschleiert, wie im Opener „The Wrecking Ball Company“ oder Klavier-getränkt im sakralen „Love Again, There Is A Fire“: Mannigfaltig vertont ihr Organ die sinnlichsten und tiefsten Emotionen. Nach der schwebenden Verschleierung der anfänglichen Songs wird „Christine“ konkreter, indem es die Gitarre in countryeske Gefilde überführt und engelsgleichen Vocals einen männlichen Part mit angenehmer Bodenhaftung gegenüber stellt. Zuckersüß folgt „Apostle“ auf leisen Schritten und gleitet fast vollständig unbemerkt in die für den Wiedererkennungswert menschlicher Sinne zuständigen Gebiete.

Einerseits ist „The Sister“ so unaufdringlich wie möglich, so zurückgezogen und die Grenzen zwischen Träumerei und Spannungslosigkeit auslotend, dass der Hörer einen ausgewiesenen Sinn für derartige, ruhige Folk-Töne haben muss. Andererseits lohnt sich jeder Durchlauf, denn nur mit eingehender Beschäftigung werden die Synthesizer-Spielereien und das ausbrechende Gitarrenspiel von „In A Little Town“ die investierte Zeit reich belohnen. Marissa Nadler wendet sich nicht an den Konsumenten, sie widmet sich dem Hörer und damit an eine Gabe, die im digitalen Zeitalter schwindet und damit noch wertvoller wird.

Anspieltipps:

  • Love Again, There Is A Fire
  • Apostle
  • Constantine
  • In A Little Town

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Marissa Nadler“
comments powered by Disqus