The Agonist - Prisoners - Cover
Große Ansicht

The Agonist Prisoners


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 59 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Über komplexe Denkmuster der Menschheitsgeschichte zu philosophieren garantiert noch kein spannendes Album.

Wer ohne mit der Wimper zu zucken eine A Capella-Version von Tchaikovskys Ballett „Schwanensee“ auf einem Metalcore-Album unterbringt, der hat entweder nicht alle Tassen im Schrank oder will damit die Einzigartigkeit der eigenen Band aufzeigen und diese somit doppelt und dreifach unterstreichen. Bei The Agonist aus Kanada, die diesen Kunstgriff auf ihrem letzten Werk „Lullabies For The Dormant Mind“ (02/2009) getätigt haben, ist die Sachlage jedoch nicht ganz so einfach. Hier hat man es wohl eher mit einer gründlichen Vermischung dieser beiden Lager zu tun, da die Meinungen über den musikalischen Output von Alissa White-Gluz (Gesang), Danny Marino (Gitarre), Pascal Jobin (Gitarre), Chris Kells (Bass) und Simon McKay (Schlagzeug) nicht umsonst zwischen „kompletter Blödsinn“ und „grandiose Meisterleistung“ pendeln.

Auf dem bislang dritten Werk „Prisoners“ werden einige der zuvor verwendeten Stilmittel wie Jazz-Phrasierungen, Grindcore-Hackbretter oder schwarzmetallische Donnerschläge zwar ausgelassen, sodass nicht mehr bei The Mars Volta nachgefragt werden muss, was da gerade durch die Boxen bricht, und ein kompakteres, nicht mehr ganz so weitläufiges Songschema aus dem näheren Umfeld des Metalcore verfolgt, jedoch bedeutet dies keinesfalls, das The Agonist nun eine leicht verdauliche Platte abgeliefert haben, die genüsslich neben dem Shoppingkanal laufen kann. Erneut dominieren ausschweifende Rhythmus- und Taktwechsel, die zur Gänze nicht beim ersten Mal erfasst werden können und am Besten eine Landkarte zur Orientierung benötigen. Dass die Kanadier wie eh und je ohne Punkt und Komma agieren und die Mischung aus Deadlock, Nevermore, Arch Enemy und einem opernhaften Spritzer Epica nach Lust und Laune mit unterschiedlicher Gewichtung kombiniert wird, trägt jedenfalls nicht gerade dazu bei, dass, abgesehen von Kunststudenten, auch der herkömmliche Metalfan angesprochen wird, der mal eben eine Platte für Zwischendurch sucht oder auf eine lange Eingewöhnungszeit keinen Bock hat.

Daran hinderlich ist zusätzlich die Tatsache, dass sich eine intensive Beschäftigung mit „Prisoners“ nur bedingt auszahlt, viele Tracks nicht voneinander zu unterscheiden sind und der Hörer mit einem groovenden Ungetüm wie „Predator and prayer“, dass das seltene Kunststück vollbringt einen Kinderchor nicht peinlich, sondern passend unterzubringen (hoffentlich werden Machine Head nicht neidisch), viel zu selten belohnt wird, da das progressive Geplänkel viel zu kopflastig seine Aufwartung macht und auf einen zupackenden, roten Faden vergisst. Die Schublade Progressive Metalcore haben das röhrende Goldkehlchen Alissa und ihre Mannen damit zwar sicher, nach einer vollen Stunde „Prisoners“ bleibt allerdings nicht mehr als ein ambitioniertes, an besonders frustresistente Metalfans appellierendes, über die Angst vor der Angst („Panophobia“), den Darwinismus („Anxious Darwinians“), Dadaismus („Revenge of the dadaists“), Egoismus („Lonely solipsist“) oder psychokinetische Phänomene („Ideomotor“) philosophierendes Album, das sich selbst viel zu ernst nimmt.

Anspieltipps:

  • Panophobia
  • Predator And Prayer
  • You´re Coming With Me

Neue Kritiken im Genre „Metalcore“
5/10

Ember To Inferno: Ab Initio
  • 2016    
6/10

Silence In The Snow
  • 2015    
Diskutiere über „The Agonist“
comments powered by Disqus