Smashing Pumpkins - Oceania - Cover
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Smashing Pumpkins Oceania


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Billy Corgan untermauert seinen latenten Größenwahn endlich wieder mit überzeugenden Taten.

Nach einem kommerziell eher missglückten Comeback mit dem „Zeitgeist”-Album (07/2007), wegen Desinteresse des Publikums abgesagten Tourneen, kostenlos im Internet angebotenen Songs, ständig wechselnden Band-Line-Ups und den obligatorischen größenwahnsinnigen Kommentaren von Bandchef Billy Corgan („ich bin der wohl beste Songwriter meiner Generation...“) konnte man den Glauben an eine Fortsetzung der Smashing-Pumpkins-Geschichte langsam aber sicher verlieren. Doch der weiterhin unberechenbare William Patrick „Billy“ Corgan kündigte mit „Oceania“ ein neues „herkömmliches“ Werk an, das ganz normal im Plattenladen um die Ecke gekauft werden kann und über eine „richtige“ Plattenfirma vertrieben wird.

Inhaltlich stellt „Oceania” ein Album im Album dar und ist damit ein Teilstück des im Jahr 2010 begonnenen, aus voraussichtlich 40 bis 50 Songs bestehenden und weiterhin im Aufbau befindlichen Zyklus namens „Teargarden By Kaleidyscope“. Eingespielt wurde das Werk mit den „neuen“ Smashing Pumpkins, die seit rund zwei Jahren neben Mastermind Billy Corgan (Gesang, Gitarre) aus Jeff Schroeder an der Gitarre, Mike Byrne am Schlagzeug und Nicole Fiorentino am Bass bestehen.

Vielleicht ist es der produktionstechnischen Album-im-Album-Besonderheit geschuldet, dass „Oceania“ über weite Strecken wie eine wahllose Aneinanderreihung von Stilarten und Stimmungen wirkt und dadurch den Eindruck einer zerfahrenen Best-Of-Auswahl aus verschiedenen Aufnahmesessions entsteht. So pendelt der Longplayer stilistisch zwischen Prog-Rock („Oceania“), Electro („Pinwheels“), Ambient („Wildflower“) Schunkelrock („Inkless“) und einem letzten Rest Grunge bzw. Alternative Rock („Quasar“), wodurch sich der Hörgenuss anstrengend und wenig homogen gestaltet.

Doch das darf es natürlich nicht so einfach gewesen sein! Deshalb benötigt „Oceania“ Zeit und einige Hördurchgänge, bis sich die Feinheiten und Zusammenhänge ergeben. Dann kristallisieren sich die Markenzeichen im Songwriting Billy Corgans‘ heraus, die sich in Form von rebellischem Aufbrausen und bittersüßem Nasalgesang („Quasar“), raumgreifenden Songaufbauten mit Brian-May-artigen Riffs („Panapticon“), Balladen, die den Red Hot Chili Peppers Grüß Gott sagen („The celestials“) sowie hymnischen Refrains und träumerischen Synthieflächen („Violent rays“) zeigen. Mit „One diamond, one heart“ besteht sogar die Chance auf einen Radiohit, wenn der Hörer dazu bereit ist, sich von den gängigen Formeln eines Smashing-Pumpkins-Songs zu verabschieden.

Bedeutet: Am Ende hat Billy Corgan nicht alles, aber viel richtig gemacht, indem er ein mutiges Album zusammengestellt hat, mit dem er seinen latenten Größenwahn endlich wieder mit überzeugenden Taten untermauert.

Anspieltipps:

  • Quasar
  • Pale horse
  • Violat rays
  • The celestials
  • One diamond, one heart

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