Soul Asylum - Delayed Reaction - Cover
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Delayed Reaction


  • Label: Floating World Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6/10 Unsere Wertung
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach längerer Pause melden sie sich Soul Asylum zurück und wollen schneller, härter, aggressiver sein. Die Betonung liegt auf Wollen!

Als Soul Asylum 1993 mit ihrem Song „Runaway Train“ praktisch über Nacht den lang ersehnten Ruhm in ihrem Genre Alternative-Rock erlangten, überraschte das die Band selbst vielleicht am meisten. Zu diesem Zeitpunkt gab es sie schließlich schon zehn Jahre – und nie war ihnen der wirklich große Hit gelungen. Dann endlich, war er da. Die amerikanischen Rocker erhielten einen Grammy für die Single und durften sogar bei Bill Clintons Amtseinführung auftreten.

Fast 20 Jahre und immerhin sieben Alben später, veröffentlichen die in die Jahre gekommenen Musiker in leicht veränderter Konstellation nun „Delayed Reaction“. Ein angebrachter Titel, denn die letzten Studioaufnahmen, die zu einem Album führten, liegen immerhin sechs Jahre zurück. Überhaupt ist in der Zeit zwar viel passiert, abgesehen von einigen Filmsoundtracks jedoch wenig, das musikalisch erwähnenswert gewesen wäre. Frontman Dave Pirner schaffte es in die Schlagzeilen, als er eine Affäre mit Winona Ryder begann. Bassist Karl Mueller hingegen erlangte traurige Aufmerksamkeit, nachdem bekannt wurde, dass er an Kehlkopfkrebs erkrankt war. Es folgten Benefizkonzerte für den Musiker, damit er seine Arzt-Rechnungen bezahlen konnte, letztendlich erlag er jedoch der Krankheit.

Wie bereits auf dem letzten Album „The Silver Lining“, ist auch auf dem Nachfolger Michael Bland am Schlagzeug zu hören, der das Gründungsmitglied Grant Young ablöste. Während sich mit Dan Murphy an der Gitarre nichts weiter verändert hat, ist am Bass erstmalig Tommy Stinson zu hören. Letzterer ist vor allem für seine Zeit bei der legendären Band Guns N'Roses bekannt.

Für Sänger Dave Pirner kam der Anruf seines Schlagzeugers und dessen Idee, endlich wieder ein neues Album aufzunehmen, gerade richtig. Er selbst befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Schwebe, wusste nicht so richtig, ob sein neues Projekt ein Soloalbum oder ein Album mit der Band sein sollte, auch nicht, wer den bis dahin leeren Bassistenposten besetzten sollte. Blands Vorschlag und seine Energie halfen jedoch, um in die Wege zu leiten, was jetzt - mit einiger Verspätung - als würdiger Nachfolger aller Soul-Asylum-Alben auf den Markt kommen sollte. Und tatsächlich scheint der Bandkollege, der eigentlich erst viel später dazu kam, das herauszuarbeiten, was die Band am Anfang ihrer Karriere immer wieder versuchte, aber nie so richtig auf den Punkt bringen konnte: gekonnt aggressiven Rock zu schreiben.

So ist „Delayed Reaction“ - vor allem auf Anraten Blands - ein bisschen härter, ein bisschen schneller und auch stellenweise aggressiver als bisherige Werke. Im ersten Song und der ersten Single „Gravity“ zeigt sich das vor allem an den Lyrics, wenn Pirner mit rauer Stimme singt: „Like a toy on my first day of school /Stranded, abandoned“. Auch einige der Titel weisen auf die neue Richtung hin. Da wären zum Beispiel das schnelle „Let's kill each other“ oder „Cruel Intentions“, wobei man sich bei letzterem nicht irreleiten lassen sollte. Denn auch ruhigere, klavierlastige Stücke haben unter den insgesamt zehn Titeln Platz gefunden. Streckenweise kommt sogar eine Mundharmonika zum Einsatz.

Eine bunte Mischung also, die an „Runaway Train“ so gar nicht erinnern will und vermutlich auch nicht soll. Die Band hat damit eine neue Richtung mit Einflüssen aus vielen verschiedenen Genres gefunden, die ihr durchaus steht. Was man dabei jedoch vermisst, führt aber wieder zurück zu dem Image, von dem man sich zu distanzieren versucht: Den einen Song herauszubringen, der das Potential hat, die Band noch einmal aus den Tiefen aufsteigen zu lassen, der als Vorgänger für eine mögliche Zukunft der Band fungiert. Denn die Vergangenheit, so viel steht fest, haben die Jungs erfolgreich hinter sich gelassen.

Anspieltipps:

  • Gravity
  • Cruel Intentions
  • The Juice
  • Take Manhattan

Dieser Artikel ging am um 09:24 Uhr online.
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