Nile - At The Gate Of Sethu - Cover
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Nile At The Gate Of Sethu


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Brandschatzende Exkurse in dunklen Katakomben. Hobby-Ägyptologe Sanders hält seine wutschnaubende Nilbarke weiter auf Kurs.

Es wurde aber auch langsam Zeit! Fast drei Jahre hat es gedauert bis der Nachfolger zu „Those Whom The Gods Detest“ (11/2009) aus seinem Sarkophag gekrochen kommt und seine todesmetallischen Plagen wie fußballgroße Hagelkörner auf die Welt niederprasseln lässt. Wer nach dem Vorgänger Angst hatte, Nile würden ihren pharaonischen Beutezug erneut stärker in Richtung technisch beeindruckende, aber ansonsten herkömmliche Death Metal-Beschallung rücken, der darf aufatmen. „At The Gate Of Sethu“ ist ein atmosphärisch dichtes Spektakel, das zwar nicht die vollen 50 Minuten zu berauschen weiß, aber zwischendurch immer wieder mit atemberaubender Präzision und einer phantastischen Inszenierung glänzt.

Ungläubigen sei hierfür der donnernde Opener „Enduring the eternal molestation of flame“, die beiden Instrumentals „Slaves of Xul“ und „Ethno-musicological cannibalism“ oder der an eine verlassene und brütend-heiße Wüstenlandschaft erinnernde Beginn des Albumenders „The chaining of the iniquitous“ ans Herz gelegt, während sich Nile-Kultisten bereits an den anderen, komplex gestalteten Sehenswürdigkeiten erfreuen. Diese sind auf dem siebenten Album von Sanders & Co. nämlich extrem wendig und schnell („The gods who light up the sky at the gate of Sethu“), faszinieren mit prägnanten Riffs („The fiends who come to steal the magick of the deseased“), hechten mal in gedrosseltem Tempo („When my wrath is done“) mal pfeilschnell („The inevitable degradation of flesh“) durch den von unzähligen Falltüren und Abzweigungen gespickten Irrgarten oder bauen ein derartiges Momentum auf, sodass sie gleich mit dem Kopf voran durch sämtliche Pyramidenwände brechen („Natural liberation of fear through the ritual deception of death“).

Einen kurzen Ausflug in Doom-Gefilde gibt es anfänglich mit „Tribunal of the dead“, leider verstrickt sich der Track in seine selbst auferlegte Komplexität und hinterlässt mehr Knoten im Gehirn als einem lieb ist, und „Supreme humanism of megalomania“ poltert mit Ausnahme einer besonders tief angelegten Growlpassage lediglich auf altbekannter Nile-Sparflamme vor sich hin, womit die beiden negativen Ausreißer auf „At The Gate Of Sethu“ ausgemacht sind. Es gibt jedoch noch zwei geringe Mängel am neuesten Sarkophag der Todesbleikapelle auszusetzen und das ist zum einen die etwas dünne Abmischung und zum anderen der gelegentlich eingestreute Gesang der Gastsänger Jon Vesano, Mike Breazeale, Jason Hagan und Pete Hammoura.

Während die Produktion von Neil Kernon (Cannibal Corpse, Macabre) allerdings nach und nach durch die stärker in den Vordergrund tretenden Gitarren die fehlenden Tiefen ausbalanciert, passt der größtenteils emotionslose Sprechgesang oder das nichtssagende Grunzen des einen oder anderen Gastes mehr schlecht als recht in den ansonsten packenden Ritt durch dunkle Katakomben und verzweigte Pyramidenirrgärten. Ein technisches Lehrstück ist „At The Gate Of Sethu“ aber allemal und Fans werden an dem ägyptifizierten Death Metal der Herrschaften Sanders, Kollias und Toler-Wade aufgrund mangelnder Konkurrenz ohnehin nicht vorbeikommen.

Anspieltipps:

  • The Gods Who Light Up The Sky At The Gate Of Sethu
  • The Fiends Who Come To Steal The Magick Of The Deceased
  • Natural Liberation Of Fear Through The Ritual Deception Of Death
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