Soundtrack - The Dark Knight Rises - Cover
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Soundtrack The Dark Knight Rises


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Vorhang fällt: Meisterhafter Schlussakt in Nolans düsterer Batmantrilogie. Dank Hans Zimmer auch musikalisch ein außergewöhnliches Highlight!

Dieses Jahr hatte schon mehrere dicke Fische zu bieten, darunter das Superhelden-Konglomerat „The Avengers“ (weltweites Einspielergebnis beinahe 1,5 Mrd. US-Dollar und somit nach „Avatar“ und „Titanic“ der (ohne Berücksichtigung der Inflation) dritterfolgreichste Film aller Zeiten) und die sensationell erfolgreiche Verfilmung des ersten Teils von Suzanne Collins bitterer Dystopie „The Hunger Games“ (spielte bei einem Budget von knapp 80 Mio. US-Dollar weltweit fast das 10-fache ein). Bevor Peter Jackson in den Wochen vor Weihnachten mit seiner „The Hobbit“-Verfilmung dann aller Voraussicht nach das Box Office dominieren wird, bringt Regiegenie Christopher Nolan („Inception“, „Insomnia“, „Prestige“, „Memento“) mit „The Dark Knight Rises“ den fulminanten Abschluss seiner Dark Knight-Trilogie, die der quietschbunten Optik eines Joel Schumacher („Batman Forever“, „Batman & Robin) durch einen konsequent ernsten und der Vorlage würdigen Zugang mächtig in den Arsch getreten und gezeigt hat, dass Superheldenverfilmungen nicht immer heroische Biographien von Männern in glänzenden Rüstungen sein müssen.

Gemeinsam mit James Newton Howard („Snow White And The Huntsman“, „The Hunger Games“, „King Kong“) und Hans Zimmer („Inception“, „Gladiator“, „Fluch der Karibik“, „König der Löwen“) als Schöpfer der musikalischen Inszenierung intensivierte Nolan seine düstere Mär über ein von Korruption und Machtgier getriebenes Gotham City. Für das Finale hat Newton Howard jetzt allerdings die Bühne Zimmer und Nolan überlassen, dafür sind Lorne Balfe („Ironclad“, „Sherlock Holmes“, „Transformers – Die Rache“) und Tom Holkenborg alias Junkie XL zur Unterstützung mit an Bord gekommen. Das Ergebnis mag deswegen nicht so neuwertig ausfallen wie es der Vorgänger mit Stücken wie „Why so serious?“ oder „Agent of chaos“ getan hat, der 54jährige Frankfurter denkt aber gar nicht erst daran, das stark gepanzerte Batmobil an die Wand zu fahren. Vielmehr versucht Zimmer mit wiederkehrenden Motiven und Themen Anknüpfungspunkte zu den ersten beiden Teilen aufzubauen und so das Erlebnis hinter der Batmantrilogie mit einem einzigen, großen Spannungsbogen zu versehen. Kein Track gleicht einem anderen und jede noch so kurz angespielte Note ist als winziges Zahnrad wichtig für den reibungslosen Ablauf der dramatischen, von Streichern, Bläsern oder elektronischen Elementen getragenen Geschichte.

Versucht man Höhepunkte ausfindig zu machen, so kommt man recht schnell zu dem Ergebnis, dass der komplette Score zu „The Dark Knight Rises“ als Klimax konzipiert ist. Die Ankunft des neuen Bösewichts Bane in „Gotham´s reckoning“, das mit Howard Shores monumentalen „Herr der Ringe“-Zyklus kokettiert („A knife in the dark“ von „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“) und mit wütenden Mobgesängen die Bedrohung physisch greifbar macht, würde ohne sein zierliches Pendant „Mind if I cut in?“, welches Catwoman als laszive Gespielin mit verhöhnenden Pianotupfern und dem Bombast entsagenden Klangtupfern einführt, nicht funktionieren, da die Filmmusik gerade durch jene gegensätzliche Reibung vorangetrieben wird. Dunkel grollende Synthesizer brummen zwar meist als standhaftes Fundament aus den Lautsprechern („Underground army“) und kleine Zwischenstücke, die Zerrissenheit, Furcht, aber auch Hoffnung transportieren („Born in darkness“, „Nothing out there“), wechseln sich im weiteren Verlauf mit in ihrer Gesinnung gestärkten, heroisch aufblickenden Kompositionen ab („Despair“, „Why do we fall?“), den Grundtenor bilden jedoch erneut die perkussiven Themen, die die steigende Bedrohung und den Hexenkessel Gotham Citys eindrucksvoll untermauern und wie ein gezielter Faustschlag immer und immer wieder ein simples, wie überzeugendes Feedback geben („The fire rises“, „Imagine the fire“).

Mit dem abschließenden „Rise“ packt Zimmer überhaupt seinen Zauberkasten aus und sorgt mit wehmütiger Knabenstimme, seufzenden Streichern und einer in die Ungewissheit blickenden Stimmung den Spirit der Dark Knight-Trilogie perfekt ein und ehe man sich versieht, sitzt man vor den Boxen und stellt sich allein wegen der meisterhaften Atmosphäre die Frage: „Ist der Sieg errungen?“ bzw. „Wenn der Sieg errungen ist, war es notwendig ihn mit diesen Mitteln zu erreichen und Bruce Wayne alias Batman erst zu verstoßen, damit er der Retter Gothams werden kann?“ Eines ist jedenfalls klar: „The Dark Knight Returns“ ist nicht das über allem trohnende Finale oder der symphonische Höhepunkt der Trilogie, „The Dark Knight Returns“ ist ein geradezu unspektakulär beginnender Score („A storm is coming“, „On thin ice“), der einen einfachen Teppich aus Düsternis und Verderben strickt, wo an jeder Ecke Gefahr lauert, was unweigerlich einen Sog entstehen lässt, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Dadurch steigt schon in den 50 Minuten des Scores die Spannung ins Unermessliche und entlädt sich in abstoßend kalten, kaskadierenden Klangmustern, die bedrohlicher sind als die Maske von Scarecrow. Gemeinsam mit Nolans inszenatorischer Perfektion liegt mit „The Dark Knight Rises“ nicht mehr und nicht weniger einer der Filme des Jahres vor, dessen Filmmusik man gehört haben muss.

Anspieltipps:

  • Rise
  • Imagine The Fire
  • Mind If I Cut In?
  • Nothing Out There
  • Gotham´s Reckoning

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