Sonata Arctica - Stones Grow Her Name - Cover
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Sonata Arctica Stones Grow Her Name


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
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10 1 6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Power Metal Spätwerk mit viel Licht und ebenso viel Schatten.

Sonata Arctica ist eine Power-Metal-Band, die wie kaum ein anderer Genrevertreter so viele fanatische Fans um sich scharen konnte. Deshalb ist jede Rezension zu einem neuen Album, sei es nun eine durch und durch positive oder ein Verriss ein Drahtseilakt. Es ist nämlich mittlerweile klar, dass Sonata Arctica mit „Unia“ eine klare Zäsur in ihrer Diskographie gemacht haben und während die angesprochenen Fans weiterhin fest wie ein Fels in der Brandung zu jeder Aktion ihrer Band stehen, wenden sich andere mit Schaudern ab oder sind zumindest sehr kritisch. Die Begründungen lesen sich dabei immer in etwa gleich: Kein Speed mehr, keine Doublebass, kein Falsett, keine Energie, kein Power Metal.

Alben wie „Silence“ und ganz besonders „Reckoning Night“ sind nach wie vor das Non plus ultra dieser prinzipiell immer noch sehr feinen Band. Mehr noch: Die genannten Alben zählen sogar zum besten und interessantesten, was das Genre in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts hervorgebracht hat. Manche behaupten ja, Sonata Arctica seien die legitimen Nachfolger von Stratovarius gewesen. Genau genommen haben sie sogar schon sehr früh, in einer pre-Unia Zeit, eigene Akzente setzen können und dem Power Metal trotz und auch gerade wegen des Booms der frühen 00er-Jahre so manche neue Nuance gegeben. Der Rest ist dann ebenfalls Geschichte. „Unia“ kam und sorgte für ratlose Gesichter, „The Days Of Grays“ machte es dann für viele Hörer als „Make it or break it“-Album noch einmal spannend und konnte immerhin in Ansätzen alte Gefühle zurückbringen, ohne aber die drohende Faust des bandeigenen Fortschritts zu senken.

Nur wenige Bands, seien sie nun Vertreter des Power Metals oder eines anderen Subgenres, schaffen es nun aber wirklich elegant und sinnvoll progressive Elemente sinnvoll einzubauen. Sonata Arctica gehören da nur bedingt dazu. Im gewissen Rahmen war das zwar immer cool oder sogar extrem gut („Champagne Bath“, „The Boy Who Wanted To Be A Real Puppet“), aber ein Großteil des „Unia“-Albums bezeugte, dass Fortschritt des Fortschritt willens einfach nicht homogen ist. Ohne roten Faden und völlig orientierungslos, musikalisches Thema an Thema an Thema an Thema angereiht, nur damit es irgendwie verwinkelt klingt? Ist es wirklich das, wofür man Sonata Arctica lieben lernte? Sicherlich nicht. Ist es legitim? Eigentlich auch.

„Stones Grow Her Name“ macht in der Hinsicht, dass es sich nun nicht mehr um die alten Sonata Arctica handelt, keine Gefangenen. Es gibt einige wirklich grandiose Lieder, andere sind es definitiv nicht. Aber so sehr sich jeder seine eigene Meinung machen soll, so sehr werden „Altfans“ sich damit abfinden müssen, dass ihre Heroen wohl nie wieder zurück kommen werden. C'est la vie!

Es fängt dabei wirklich vielversprechend an. „Only The Broken Hearts (Make You Beautiful)“ ist ein gelungener Start in das Album und hätte sicherlich auch auf eins wie „Winterheart's Guild“ oder „Reckoning Night“ gepasst, auch wenn der Fuß alles andere als auf dem Gaspedal ist. So oder so geht der Opener wirklich klar und ist ein guter Kompromiss für die Fans von früher so wie für den selbst eingeschlagenen Weg der Band. Ganz anders ist da schon „Shitload Of Money“, ein geerdeter, moderner Rocksong, der stellenweise leicht angeproggt wirkt. Das Ding stampft sich wirklich toll in die Gehörgänge und macht Spaß. Wer trotzdem einen Kulturschock erleiden möchte, der bekommt mit „Losing My Insanity“ dann einen sehr modernen Power-Metal-Song, der wieder nicht mit Highspeed daher kommt, aber dennoch zeigt, dass die Band weiß was sie tut. Ironischerweise erinnert die Komposition eher an Stratovarius als alles, was die Band früher gemacht hat.

„Somewhere Close To You“ ist stellvertretend dafür, dass Bands nichts tun sollten, was sie nicht können. Nur weil man sich zum Metal zählt, heißt das noch lange nicht, dass man mit harten Riffs jonglieren muss. Wer Thrash hören will, legt eine Platte von Megadeth, Kreator oder Anthrax auf und spart sich blutleere und ungekonnte Experimente einer Band, die ganz andere Qualitäten hat. Und damit kein Fan vollkommen verschreckt wird, gibt es dann noch ein leises, latentes Aufblitzen der ureigenen Trademarks. „Somewhere Close To You“ ist in dieser Hinsicht eine absolute Farce. Die wohl aus purem Selbstzweck gewählte Härte („Damit wir das mal gemacht haben“) ist mit dem süßlich-sinistren Keyboard stellenweise gepaart. Und letzteres wirkt dabei wie eine pure Alibifunktion. Gewollt aber nicht gekonnt katapultiert die Band diese sehr lieblose Nummer in den Abgrund ihres Songkatalogs. Die Single „I Have A Right“ ist da fast schon eine Erlösung, auch wenn sie sicherlich nicht zu den stärksten Auskoppelungen Sonata Arcticas gehört. Die cheesigen, aber tollen Keyboarddudeleien machen Spaß und der Song ist definitiv ein Ohrwurm. Selbst das Kindergebrabbel wirkt irgendwie stimmig.

„Alone In Heaven“ ist eine oppulente Powerballade mit großartigem Bombasthook. Die leichten Differenzen in der Stimmung, d.h. zwischen Strophe, Bridge und Refrain, machen den Song interessant, werden in dem ein oder anderen Ohr aber nicht unbedingt Anklang finden. „Alone In Heaven“ hätte gut auf „Unia“ gepasst und wäre da einer der stärksten Titel gewesen. Ebenfalls auf „Unia“ hätte das ruhige „The Day“ eine gute Figur gemacht. Dieses kleine Werk gehört zum stärksten, was die Finnen jemals komponiert haben und wäre eine Bereicherung für jedes Album gewesen. Das Flirten mit Prog wirkt hier tatsächlich extrem gut, der Song ist atmosphärisch dicht und extrem ungewöhnlich sowie in punkto Songwriting stimmig und intelligent. Man hat sich einfach mal gespart, ihn zu überladen. Das direkt auf „The Day“ folgende „Cinderblox“ ist da ähnlich. Einen von Fideln und Banjo (!) getragenen Power-Metal-Song hört man auch nicht alle Tage. Wer abgefahrene Brainfucks wie „Champagne Bath“ mag, wird „Cinderblox“ ebenfalls toll finden.

„Don't Be Mean“ ist dann die obligatorische Ballade, die in der Menge der wirklich guten Balladen der Band untergeht. Klar, gesanglich ist alles top, die Violinenuntermalung ist tausend mal gehört, aber stilsicher. Aber „Don't Be Mean“ wirkt einfach zu wahllos. Die kommenden zwei Teile von „Wildfire“, sind dann leider schwach. „Wildfire“ mit/ohne Part I kennt man ja schon vom Album „Reckoning Night“. Die beiden Nachfolger verzichten allerdings darauf den „Ursprung“ zu zitieren.

„One With The Mountain“ und „Wildfire Town, Population: 0“ sind beide überladen, damit extra viel passiert. Gleichermaßen fehlt beiden die Richtung und es wurde wild kompiliert. Das ist so als ob man sich in Jam Sessions nicht von überschüssigem, unpassendem Material trennen konnte. „One With The Mountain“ kaschiert das noch mit seinem Refrain, ist aber trotzdem uninspiriert. „Wildfire Town, Population: 0“ möchte dann und wann den Härtegrad und die Verrücktheit (Stichwort: Progressivität) hochdrehen. Selbst an Natur-Ambient-Gezwitscher wird da nicht gegeizt. Und dann am Ende soll man denken, dass sich eine Gruppe so weiterentwickelt? Das ist „sich im Kreis drehen“, egal was man mal gemacht hat oder noch machen will. Es ist ärgerlich, dass eine Band, die Songs wie „White Pearl“, „Black Ocean“, „The Power Of One“ oder auch „Deathaura“ geschrieben hat, plötzlich so sehr ihr Niveau sinken lassen.

So souverän Sonata Arctica in ihrem Handeln auch sein mögen und so professionell die Band es auch versteht ihr Zeug zu komponieren: „Stones Grow Her Name“ ist einfach nicht das Überwerk geworden, das sich viele Power-Metal-Fans erhofft haben. Viele werden sich weiterhin die alten Glanztaten dieser Band zurückwünschen, aber realistisch betrachtet wird das wohl nicht so schnell passieren. Die Finnen sind dafür einfach zu festgefahren und schwören zu sehr auf ihren seit einigen Jahren etablierten Sound. Insgesamt bleibt ein Album mit viel Licht aber ebenso viel Schatten, welches sich gerade eben noch aus der Mittelmäßigkeit retten kann. Dafür sorgt die ein oder andere Komposition, die beweist welche Ausnahmeerscheinung Sonata Arctica in ihrem Genre sind.

Anspieltipps:

  • Losing My Insanity
  • Alone In Heaven
  • The Day
  • Cinderblox

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