Alcest - Les Voyages De l´Ame - Cover
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Alcest Les Voyages De l´Ame


  • Label: Prophecy Productions
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Wechselspiel von Shoegaze, Neofolk und Black Metal sorgt für eine einzigartige Mélange aus Melancholie und Fernweh.

Muss denn metallische Melancholie immer ein verschneiter Winterabend sein? Klar, einsame Nadelwälder, stürmische Fjorde oder verschneite Ebenen haben schon was mystisches. Das französische Zwei-Mann-Projekt Alcest hat es sich aber seit seiner Gründung aber zur Aufgabe gemacht genau diese Gemälde nordeuropäischer Naturromantik nicht weiter zu malen. Der Hörer wird in eine ganz eigene Welt entführt. Statt den Nadelwäldern liegt man unter blühenden Bäumen, die Fjorde weichen friedlichen Bächlein und unter dem Schnee liegen Meere aus Wildblumen.

Die Trademarks, die Alcest seit 1999 zu etwas ganz besonderem machten, werden auch auf „Les Voyages de l'Âme“ nicht über Bord geworfen und bezeugen, dass die Zusammenkunft von Black Metal und Shoegaze in der Tradition der Cocteau Twins aufgeht. Wer braucht da noch winterlicher Depression? Die Idee von frühlingshafter Schwermut und sehnsüchtigen Blicken in die Ferne sind auch auf dem dritten Album das Hauptkonzept, an dem man sich orientiert. Das erinnert an Neofolk von Bands wie Orplid oder Sieben, nur dann und wann mit Stromgitarre unterlegt. Der klangliche Kosmos von Alcest ist von sich anfangs negierenden Gegensätzen bestimmt. Bei genauem Hinhören passen diese jedoch hervorragend und ergänzen sich sogar zu einem ganz einzigartigen Erlebnis.

Mit dem sphärisch-romantischen „Autre Temps“ zeigt Mastermind und Projektleiter Neige seine Welt: Die warme Atmosphäre wird durch ein progressives Akustikgitarrenspiel geprägt, der cleane Gesang hält sich fast schüchtern und intim im Hintergrund. „Là où naissent les couleurs nouvelles” zeigt dann eine etwas flotter, aber immer noch zurückhaltende Gangart. Im Hintergrund deuten sich die Growls lediglich an, bis die sentimentale Nummer schließlich dank Blastbeats und erhöhter Geschwindigkeit in eine metallische Eruption mündet. „Là où naissent les couleurs nouvelles“ bleibt aber das was es sein will: Mehr Shoegaze, weniger Black Metal. Die folgenden Titel folgen diesem Beispiel. Immer wieder versuchen metallische Elemente den Hörer klar aus der Reserve zu locken, nur um schließlich mit etherischem und in sich gekehrtem Sound für eine Überraschung zu sorgen. Es ist schön zu sehen, dass die zwei Extremen nicht gegen-, sondern miteinander arbeiten. Ein Ausbruch hat genau wie ruhige, in sich gekehrter Passagen seine Daseinsberechtigung, auch wenn zweitere klar das Gesamtkonzept dominieren. Die Ballade „Summer's Glory“ geht als letzter Track des Albums sogar so weit, sich dem folkigen Pop-Rock anzunähern.

Les Voyages de l'Âme lebt von Gegensätzen. Der Spagat zwischen Dreampop und Black Metal der skandinavischen Schule ist in der hier dargebotenen Form immer noch einzigartig. Das bewusste Verleugnen von Klischees und die für das Ursprungs-Genre immer noch frische und innovative Spiel mit selten benutzen musikalischen und lyrischen Elementen, machen auch das dritte Album des französischen Bandexperiments zu einem interessanten und verträumten Erlebnis, das im Endeffekt sogar weniger den Metaler als den Freund von experimentellen Tönen ansprechen sollte.

Anspieltipps:

  • Autre temps
  • Là où naissent les couleurs nouvelles
  • Faiseurs de mondes

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