Gojira - L´Enfant Sauvage - Cover
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Gojira L´Enfant Sauvage


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Death Metal für Connaisseure: Progressiv, hart, melodisch, aber leider auch ziemlich zerfahren.

Joe Duplantier (Gesang, Gitarre), Christian Andreu (Gitarre), Jean-Michel Labadie (Bass) und Mario Duplantier (Schlagzeug) haben nach der außergewöhnlichen langen Wartezeit von vier Jahren seit dem letzten Streich „The Way Of All Flesh“ (10/2008) keine Zeit mehr zu verlieren. „L´Enfant Sauvage“, zu deutsch „Wildes Kind“, das mittlerweile fünfte Album der französischen Todesbleitruppe, packt daher auch schon nach einem kurzen Vorspiel im Opener „Explosia“ seine dicken Eier aus und mit einem satten „Go!“ lecken die vier Herrschaften an einem der saftigsten Grooves seit Meshuggahs „ Obzen“ (03/2008). Als Höhepunkt walzen Gojira als unbarmherzige Planierraupe durch den Raum und ehe man sich versieht, sind die Gurte schon für die anschließende, diabolische Achterbahnfahrt des Titeltracks festgezurrt, der mit grandiosem Melodieverständnis über die Gleise brettert.

Von dieser fulminanten Attraktion noch wie benommen trifft einem „The axe“ mitten ins Gesicht und macht sich als unberechenbares Groovemonster in den unteren Bassregionen zu schaffen, während „Liquid fire“ mit Melodic Death-Schlagseite die Wogen zu glätten versucht und dabei ohne Umschweife im Langzeitgedächtnis haften bleibt. Dann ist erst einmal die Luft raus. Das Instrumental „The wild healer“ kredenzt ein Riff als nervige Endlosschleife, „Planned obsolence“ verläuft sich in der technisch anspruchsvollen Wildnis seiner selbst und „Impermanence“ wackelt zwischen harten, melodischen und sanftmütigen Exkursen umher und will mehrmals zum großen Sprung ansetzen, wird aber letztendlich immer wieder dummerweise durch ein gegenläufiges Hindernis ausgebremst.

Mit gewöhnungsbedürftigen Taktwechseln, aber dafür umso interessanter in Szene gesetzt, gebärdet sich hingegen „The gift of guilt“, das mit ein paar Gustostückerln von Schlagzeuger Mario glänzen und sicherlich zu einem der Höhepunkte aus „L´Enfant Sauvage“ gezählt werden darf. Einen Cocktail aus zarten Postrocksphären und ungebrochener Härte vermischen Gojira im kompromisslosen „Pain is a master“, bis „Born in winter“ als Ruhepol der Platte einen episch-anmutigen Charme versprüht ohne auf ausreichende, in die Magengrube einschlagende Argumente zu vergessen und „The fall“ als Abschluss ähnlich durchwachsen wie „Planned obsolence“ seine lediglich ansatzweise überzeugenden Bahnen zieht.

Das französische Vierergespann hat noch viel vor und das merkt man ihrem fünften Album in jeder Minute an. Duplantier & Co. wollen nämlich nicht nur Meshuggah vom Thron des technisch anspruchsvollen Progressive Metal stoßen, Chimaira eine Lektion in Sachen Groove verpassen, Post Metal-affinen Individuen zwischendurch eine nahrhafte Mahlzeit bieten und mit Melodien um sich werfen, dass Dark Tranquillity vor Neid erblassen, sondern auch versuchen das eigene Schaffen auf die nächste Stufe zu hieven. Für eine 50 Minuten lange Platte sind das einfach zu viele Vorsätze und der Hörer wird etwa ab der Hälfte in ein sensorisches Schleudertrauma versetzt, da Gojira nicht zwei oder drei Ideen in einem Track anbieten, sondern gleich Dutzende. Für geduldige Ohren entschädigen die Franzosen immerhin mit ein paar grandiosen Grooves und durchschlagender Härte, der Rest betreibt Trennkost.

Anspieltipps:

  • Liquid Fire
  • Born In Winter
  • The Gift Of Guilt
  • L´Enfant Sauvage

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