Cafe Jazz - Achtzehndreißig - Cover
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Cafe Jazz Achtzehndreißig


  • Label: Soundso/New Music Distribution
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das ist Musik die ein warmes Gefühl in der Magengrube hinterlässt.

Wo verdammt ist Bautzen? Die Kreisstadt in Ostsachsen ist wahrscheinlich nicht jedermann ein Begriff. Fünf junge Männer, die auch schon Silbermond unterstützen durften, versuchen die Bekanntheit der Gemeinde etwas zu erhöhen. Mit dem Namen Cafe Jazz und ihrem Debüt „Achtzehndreißig“ will der Fünfer dank einer sehr authentischen und abwechslungsreichen Mischung die Hörer auf seine Seite ziehen. So viel vorweg: mit Jazz hat das ganze herzlich wenig zu tun.

Es ist mutig, wie die Band gleich zu Beginn zu der bedingt besonderen Stimme des Sängers steht, der völlig auf sich allein gestellt ohne Instrumente das Album einleitet. Im Stil der alten Cluedo-Platten wird hier zu den eigenen Grenzen gestanden. Passend dazu wird auch mit Klavier, Saxophon und Akustik-Gitarren gearbeitet, dass das Indie-Feeling ziemlich schnell einsetzt. Typisch deutsche Rockmusik ist das einzig passende Attribut, das einem zu solcher Musik einfällt. Gleiches gilt für die Funk-Nummer „Viel Mehr“ und die siebenminütige Hymne „Weit Draussen“, die instrumental unglaublich warm und intim wirken. So aufbrausend die Gitarren in den Balladen „Weit Draussen“ oder „Laterne“ auch werden, will man sich die Lieder nie vor allzu großem Publikum vorstellen.

Diese Musik wird sehr wahrscheinlich nur wenige Menschen locken und so ist die Vorab-Single „Alles Beim Alten“, ein Köder, der ein völlig verdrehtes Bild auf das Album wirft. Mit Sprechgesang und Handclaps wird hier tatsächlich auf Cluedos Erfolgsrezept verwiesen. Das tut der Qualität des Songs keinen Abbruch, will aber nicht zum Rest der Platte passen. Gleiches gilt für die Disco-Nummer „Beweg Dich“, die zwar mit Streichern und Saxophon das Klangbild des Albums einfangen will, mit dem „California Gurls“-Thema allerdings irritiert.

Das große Plus des Albums haben die unverfälschteren Klänge des Albums auf ihrer Seite. Die Balladen (z.B. „Überall“) hinterlassen genau wie die kraftvollen Rocknummern (z.B. „Soweit“) ein warmes Gefühl in der Magengrube, welches man nicht bei jeder Band verspürt. Cafe Jazz transportieren das nötige Quäntchen Ehrlichkeit und Gefühl in ihre Musik, um sich vom durchschnittlichen deutschen Rocksound abzuheben. Das funktioniert noch nicht in jedem Song und anscheinend will man sich mit manchen Nummern auch der breiten Masse unbedingt anbiedern, aber dieses Gefühl im Hörer zeigt, dass die Band Potenzial hat, den richtigen Weg zu gehen.

Anspieltipps:

  • Soweit
  • Sonne
  • Wenn Du Jetzt Gehst

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