Luca Turilli´s Rhapsody - Ascending To Infinity - Cover
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Luca Turilli´s Rhapsody Ascending To Infinity


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit viel Orchester und wenig Gitarre zelebrieren die Italiener ein verspieltes Symphonic-Metal-Werk.

Man könnte es als Befreiungsschlag sehen. Nach acht Studioalben, die allesamt einen eigens geschöpften Fantasyzyklus abhandelten, nahte das Ende einer Ära. Zum ersten Mal seit der Gründung von Rhapsody, respektive Rhapsody Of Fire, sprengte man die selbst angelegten Ketten. Während sich die italienischen Symphonic Metaler zwischen den Alben „Legendary Tales“ und „From Chaos To Eternity“ immer wieder Solourlaube buchen mussten, um sich kreativ ausleben zu können, sind mittlerweile alle Türen weit offen. Rhapsody Of Fire machen mit Frontmann Fabio Leone und Alex Staropoli auf den Chefsesseln weiter wie bisher, während Ex-Chef Luca Turilli ein Drittel des Namens mitnimmt und eine neue Band aus der Taufe hebt. So profitieren der Saitenhexer und seine alten Kollegen vom etablierten Label. Patrice Guers (Bass) nimmt er direkt mit, Dominique Leurquin (Gitarre), Alex Landerburg (Schlagzeug) und Sänger Alessandro Conti stoßen neu hinzu.

Musikalisch hat sich nicht viel getan: Man konzentriert sich nach wie vor auf eine extreme Nähe zur Filmmusik. Ob die metallischen Instrumente untergehen ist dabei fast egal. Das Ziel ist ein überbordendes, symphonisches Gesamtkunstwerk, wie es nur eine Gruppierung mit Rhapsody im Namen schaffen kann.

Ganz in der Tradition von alten Alben Rhapsody Of Fires oder auch der Turilli-Soloausflüge schöpft man direkt im Intro „Quantum X“ aus den Vollen. Wer in den Genuss des Endkampfes im J-RPG Final Fantasy VII kommen durfte (zum Vergleich: „Final Fantasy VII: Advent Children“, insbesondere die Komposition „Advent: One-Winged Angel“), weiß in etwa, was zu erwarten ist. Der Titeltrack ist ebenfalls keine Überraschung für Kenner des Backkatalogs des Herrn Turilli. Bombastischer Power Metal und Klassik geben sich die Klinke in die Hand und sorgen für einen typischen Up-Tempo Opener eines Albums mit Rhapsody-Logo. Sänger Alessandro Conti darf sich hier auch zum ersten Mal vorstellen und beweist, dass er als Absolvent der renommierten Corale Lirica Rossini (u.a. Luciano Pavarotti) ein absoluter Gewinn für Luca Turilli's Rhapsody ist. Der Tenor variiert sein Organ von aggressiv zu operettennhaft und dominiert „Ascending To Infinity“ wann immer dieses erklingt. Im direkten Vergleich zum ähnlichen Fabio Leone (Rhapsody Of Fire, Vision Divine) passt er sogar deutlich besser zur musikalischen Ausrichtung beider Gruppen.

Im klaren Kontrast zu den schnellen Songs stehen „Dante's Inferno”, „Excalibur”, der Longtrack „Of Michael The Archangel And Lucifer's Fall“ sowie „Luna“. Die Verarbeitung vom Erzengel-Topos ist ein Epos von 16 Minuten und dementsprechend der Bombastoverkill. Der bekannte Flirt mit Filmmusik, Orchester und Chören zeigt die Ausrichtung der Turillischen Arbeitsweise. Es wird geklotzt und nicht gekleckert. Die kurze Entfernung zur Filmmusik ist hier noch deutlicher erkennbar als beim restlichen Material.

„Luna“ ist ohne Zweifel die vielleicht interessanteste Komposition, die Meister Turilli jemals geschrieben hat. Der beinahe poppige Anfang steigert sich in eine opernhafte Ballade und gipfelt letzten Endes im zu erwartenden Bombast. Vielleicht ist das auch ein wenig zu viel Bocelli für eine Band, die sich dem Metal zuschreiben will. Die typischen Metalinstrumente gehen dann auch ganz klar im Bombastgewitter unter, lassen das Orchester die Prioritäten setzen. Damit ist bei Rhapsody allerdings schon immer zu rechnen gewesen. Sicher, da klebt der Zuckerguss ganz arg, aber genau das wollen die meisten Fans.

Luca Turilli's Rhapsody steht ganz in der Tradition von Rhapsody Of Fire und den Solowerken des titelgebenden Gitarristen. Erstmals versucht man sich nicht an einem Konzeptalbum und das steht der noch jungen Band ziemlich gut. Jedenfalls merkt man ihnen die Spielfreude und die lyrische Freiheit an. Fans kriegen das Album, welches sie erwartet haben und dürfen fortan zwei Lieblingsbands haben. Gesamt betrachtet ist „Ascending To Infinity“ ein extrem ausgereiftes und detailverliebtes Album geworden und vielleicht der beste Output des Band-Netzwerks seit „Power Of The Dragonflame“ von 2001.

Anspieltipps:

  • Ascending To Infinity
  • Excalibur
  • Luna
  • Clash Of The Titans

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