Glen Hansard - Rhythm And Repose - Cover
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Glen Hansard Rhythm And Repose


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, auf das Johann Wolfgang von Goethe stolz gewesen wäre. Leiden für Fortgeschrittene.

Das erste, ganz eigene Album und Titel wie „High Hope“ und „Song Of Good Hope“ sind nicht gerade die übliche Ankündigung für einen Künstler, der dem Hörer als erstes durch professionelles Leiden in Erinnerung bleiben wird. Dank glücklicher Fügung ist dann auch noch Musik des Künstlers in die Auswahl der Filmmusik zum Riesenhit „The Hunger Games“ („Die Tribute von Panem“) aufgenommen worden. Glen Hansard hat es trotzdem eher mit der melancholischen Stimmung, die in die immer noch großen Fußstapfen des Leidenden schlechthin Damien Rice tritt.

Seit dem Millennium gab es nicht wenige Neuentdeckungen im Singer/Songwriter-Genre, die Erwähnungen finden sollte, aber Rice ist auch knapp acht Jahre nach der Veröffentlichung „0“s das Vorzeigemodell, was den leidenden Geschichtenerzähler angeht. In Hansards Fall will man es erst gar nicht glauben, da „You Will Become“ und „Maybe Not Tonight“ bestimmt keine Sonnenanbeter unter Genrevertretern sind, aber mehr durch Nachdenklichkeit denn Trauer auffallen. Ab der an Radiohead erinnernden Nummer „Talking With The Wolves“ bahnt sich jedoch ein Jammertal vom Feinsten an. „Talking With The Wolves“ selbst bedrückt nur durch seine Stimmung und das anschließende „High Hope“ klingt lange wirklich nach einer aufmunternden Hymne für verregnete Abende, an denen man sich am Kamin aufwärmt. Und reines Leid möchte man dem geschrienen, emotionalen Abschluss des Liedes nicht unbedingt unterstellen.

Die Mischung aus Kraft und Verzweiflung erfährt dann aber in „Bird Of Sorrow“ eine neue Balance, die im Stile Rices „November“ den Hörer mit Gefühlen geradezu auspeitscht. Das minimalistisch gehaltene Pianostück „The Storm, It's Coming“ wirkt da bei aller Melancholie schon wie Wundsalbe. Danach, als wäre nichts gewesen, überrascht ein angenehmes Trio, das von ruhig treibenden Melodien („Love Don't Leave Me Waiting“) und einem lieblichen Duett profitiert („What Are We Gonna Do“). Der nicht immer eindeutige Gefühlspegel des Sängers ist wie das leben voller Überraschungen und kann nie vorhergesagt werden, aber manchmal überrascht der schnelle Aufstieg aus dem Trauertal, sowie die kurze, aber nicht anhaltende Rückkehr dorthin („Philander“) zu sehr. Abgesehen von diesen zwei Seelen, die in Glen Hansards Brust zu leben scheinen, ist „Rhythm And Repose“ ein guter Anfang in mehrere Richtungen.

Anspieltipps:

  • Bird Of Sorrow
  • What Are We Gonna Do
  • Talking With The Wolves

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