Bonaparte - Sorry We´re Open - Cover
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Bonaparte Sorry We´re Open


  • Label: Staatsakt/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die fluffigen Elektro-Punkrocker Bonaparte kommen auf „High Heels To Hell“ und machen auch auf ihrem neuen Album irgendwie… andere… Musik.

Sie nennen ihren Musikstil „Fluffy Punk“ und klingen wie eine Mischung aus Pacman, Zirkus und Indie-Punkrock-Band: Bonaparte. Bonaparte sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache und auch ihr neues Werk klingt nicht so, als hätten die „Berliner“ auch nur irgendetwas anderes geplant. Schon der Albumtitel „Sorry, We’re Open“ vermittelt genau das, was die Band ausmacht: Widersprüche am laufenden Band. Es knarrt und schranzt in den Ecken, während sich dazwischen schweißtreibende Club-Melodien verstecken. Schon der Titel des Intro-Songs bezirzt mit fein(oder doch eigen-)sinnigem Humor: „When The Ship Is Thinking“. Genug der Witze, denn Electro-Rock-Fans werden mit „Sorry, We’re Open“ vermutlich ihre wahre Freude haben. Bonaparte liefern ein Album ab, was genau das macht was es soll: Scheppern, verwirren und Spaß machen.

Französisches Mikrofon-Raunen wie in „C’est a moi qu’tu parles“ oder stupides Zählen wie in „40°42'48.46 N 73°58'18.38 W“ sind vielleicht nicht unbedingt Album-Stärken, wogegen der Titel-Track „Sorry We’re Open“, „A Little Braindead“ oder „Point & Shoot“ dank fröhlichem Gute-Laune-Beat sogar richtig Spaß machen. Songs von Bonaparte sind… irgendwie anders und es braucht auch mitunter eine Weile, bis man sich in „Sorry We’re Open“ hineingehört hat, doch es lohnt sich zuweilen.

Oh, und was für eine Überraschung: Was passt am besten zu pink? Genau, neongelb und neongrün und deshalb featuren die Jungs von Deichkind den Track „Alles schon gesehen“. Eine textliche Mischung aus totaler Reizüberflutung und Übersättigung („been there, done that“) und dem trotzdem gut gemeinten, wahnsinnigen Ratschlag: „Du kannst ja gar nichts sehen mit deiner Maske auf!“ Es klingt ein bisschen wie ein unendlich andauernder Drogenrausch mit grellen Lichtblitzen und ein paar Verrückten die immer wieder verstrickte Parolen über die Tanzfläche rufen. Die Verrückten sind in diesem Fall allerdings Deichkind und der gesamte Song könnte gut und gerne auf „Befehl Von Ganz Unten“ sein.

Alles klingt trotzdem ein bisschen zurechtgelegt und man fragt sich unweigerlich: Sind Bonaparte ein Abbild der Berliner Club-Szene oder ist die Berliner Club-Szene einfach Bonaparte?! Man weiß es nicht. Fest steht: Bonaparte sind immer noch Bonaparty, vollgekleistert mit jeder Menge Trash-Pop, Knarz-Rock und widersprüchlichen Fun-Fun-Fun-Lyrics. In bunten Kostümen propagieren sie weiterhin Hedonismus und… Individualität? Ob das jedem Hörer gefällt ist dabei wohl nur eine unliebsame Nebensache. Fan oder Nicht-Fan, bleibt nach diesem Album die Frage offen: Geht nicht auch ein bisschen weniger? Es mangelt Bonaparte schließlich nicht an musikalischem Können und so ist es auch kein Wunder, dass sie sich an einen sicheren Platz in den oberen Rängen ihres Segments musiziert haben, aber würde das Ganze nicht auch ohne all die Albernheit funktionieren?

Anspieltipps:

  • Sorry We’re Open
  • Point & Shoot
  • Alles schon gesehen

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