Kopek - White Collar Lies - Cover
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Kopek White Collar Lies


  • Label: Another Century/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Darauf hat die Welt gewartet: Es gibt einen Thronfolger für The Music!

Im letzten Jahrzehnt sorgten Robert Harvey, Adam Nutter, Stuart Coleman und Phil Jordan alias The Music mit ihrem selbstbetiteltem Debüt (09/2002) für „The next big thing“ und entfachten einen Hype in der (Hypes liebenden) englischen Presse. Im September des vorigen Jahres war es allerdings soweit und mit dem Weggang von Sänger Robert wurde der Split des Vierers besiegelt und der Thron für schlecht gelaunten, aber durchaus charismatischen Rock blieb unbesetzt. Vorhang auf für Kopek! Das irische Trio, rund um Daniel Jordan (Gesang, Gitarre), Brad Kinsella (Bass) und Shane Cooney (Schlagzeug), bastelt zwar schon seit mehreren Jahren an ihrem Durchbruch, richtig in Fahrt kommt dieser aber nun erst durch die europaweite Veröffentlichung ihres 2010er Werkes „White Collar Lies“ bei Another Century, einem Sublabel der Dortmunder Century Media Records.

„Wir haben keine raffinierten Tricks; wir gehen einfach nur raus und spielen – so wie man das in den 60ern und 70ern gemacht hat. Keine Samples, kein Bullshit. Die Musik ist heutzutage einfach völlig verwässert.“ erklären Kopek und liefern mit dem Opener „Love is dead“ eine bisweilen ziemlich nervige, aber durch und durch täuschend ähnliche Nachbildung des Sounds der eingangs erwähnten Briten. Die Gitarren baden in der Herrlichkeit ihrer Stromzufuhr, die Drums schleppen sich andächtig zu einem mitreißenden Beat und der Gesang, nun ja, es scheint als hätte Robert Harvey einen lang verschollenen Zwilling gefunden, der mit ähnlicher Stimmlage und der gleichen Fuck It-Attitüde seinen Text ins Mikro presst und nölt. Alteingesessene The Music-Fans werden sich jedenfalls verwundert die Ohren reiben!

Das war aber noch lange nicht alles, was Kopek zu bieten haben, denn mit „The easy way“ paart man rockige Geradlinigkeit mit den stimmlichen Eskapaden eines Matthew Bellamy, der Titeltrack verzaubert durch The Killers-Epik und Stücke wie „Love sick blues“ oder „Cocaine chest pains“ rotzen auf den Boden, dass es eine Freude ist. Dummerweise ist die Platte nicht völlig frei von Unstimmigkeiten: Durchwachsenere Nummern wie das schunkelige „Fever“ oder das melancholische „Running scared“ zielen z.B. unverblümt auf die Stadien dieser Welt, während „Sub human“ als minimalistischer Song, bestehend aus Didgeridoo und Akustikgitarre, wie auch das launige „Bring it on home“ kleinere Clubs bevorzugt, wodurch ein direkter Adressat für „White Collar Lies“ schwer zu definieren ist, da sich Kopek in weiterer Folge nicht entscheiden können, ob sie sich weltumarmend („Floridian“, „Bigger than us all“) oder störrisch („Love sick blues“) geben, obwohl beide Denkweisen zu ihnen passen würden.

„Yeah. Kopek sind eine Band mit viel Herz in der Musik“ weiß Bassist Kinsella und das merkt man dem Majordebüt der Iren in jeder Minute an, jedoch bleibt nach Abzug der omnipräsenten The Music-Parallelen, einigen Anleihen aus der aktuellen Rockszene und den erwähnten Mankos etwas zu wenig über um von einer Überraschung, denn von einem im Auge zu behaltendem Geheimtipp zu sprechen. Wenn sich Kopek allerdings mit dem nächsten Werk entschlossen haben, ob sie lieber in einem versifften Club in einer Seitengasse spielen oder doch die Stadien dieser Welt bereisen wollen, dürfte auch das Ergebnis runder ausfallen. Wir sind gespannt!

Anspieltipps:

  • Sub Human
  • Love Sick Blues
  • Bring It On Home

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