Testament - Dark Roots Of Earth - Cover
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Testament Dark Roots Of Earth


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Thrash Metal wie er schöner nicht sein kann.

Testament gehören zur Bay Area wie die Butter auf die Stulle, der Fisch zum Fahrrad. Ihr Name wird unweigerlich mit dem kalifornischen Thrash Metal der 80er-Jahre und darüber hinaus verbunden. Und trotzdem wurde es irgendwann still um die Herren aus San Francisco. Auf „The Formation Of Damnation“ mussten die Fans geschlagene neun Jahre warten, eine Zeit in der andere Bands (z.B. die Nachbarn Megadeth und Slayer) gut und gerne mal vier, fünf Scheiben auf den Markt werfen. Zum Glück machen es Testament ihren Anhängern wieder etwas leichter: Lediglich vier Jahre sollen es am Ende sein. Nach dem guten „The Formation Of Damnation“ zeigt man sich ziemlich stilsicher. Mehr noch: „Dark Roots Of Earth“ ist ganz klar ein Highlight in der Diskographie der Thrash Metaler.

Direkt für den Opener „Rise Up“ haben Chuck Billy und seine Kollegen das Lehrbuch des Thrashs aufmerksam geschmökert. Das Teil eröffnet „Dark Roots Of Earth“ jedenfalls mit einem echten Knall, der besonders live (Ich „Rise Up“, du „War“) nicht zu unterschätzende Qualitäten besitzen sollte. Nicht innovativ oder ausgefeilt, aber ungemein wirkungsvoll. Das folgende „Native Blood“ ist dagegen das erste Anlegen im Heimathafen. Das Album wimmelt nur so vor solch groovenden, gut komponierten Arschtritten: Testament wissen zum Glück, was sie am besten können und machen da auch kein Geheimnis draus. Moderne Elemente dominieren nicht, sondern unterstützen den sich klar an der klassischen Thrash-Interpretation angenäherten Hörgenuss.

Als Einheit glänzen Testament in dieser Hinsicht hell und deutlich. Die Spielfreude und Professionalität merkt man ihnen an. Wenn das in einem sogar leicht angeproggten Epos wie „Throne Of Thorns“ gipfelt, reißt das doppelt mit. Getragen vom prägnanten Riffing und den schönen Soli vom Duo Skolnick (seine einstigen Jazzausflüge machen sich bemerkbar) und Peterson bekommen die Thrash-Granaten die nötige Melodie. Und von denen gibt es auf „Dark Roots Of Earth“ nicht wenige! Drummer und Neuzugang Gene Hoglan (Strapping Young Lad, Fear Factory) ist dabei ein weiterer, absoluter Gewinn. Was dieser Mann vermag, ist der schiere Wahnsinn. Energie und absolute Genauigkeit geben ihm in der langen Liste der Schlagwerker Testaments eine Ausnahmestellung. In Kombination mit Greg Christian (Bass) ist er besonders überzeugend. Und Frontsau Chuck Billy? Stark wie eh und je! Ob er nun wütend bellt („True American Hate“) oder sogar mit einem Goldkehlchen überrascht („Cold Embrace“; So hätte man sich übrigens Metallicas „Load/Reload“ mit Thrash vorgestellt) ist dabei völlig egal.

2012 ist ohne falscher Bescheidenheit eines der stärksten Jahre für den Thrash Metal überhaupt. „Dark Roots Of Earth“ ist neben „Phantom Antichrist“ von Kreator definitiv eines der Höhepunkte des Genres. Das Warten und Hoffen nie wieder knapp eine Dekade auf neues Material der Band verzichten zu müssen, wird durch einen extrem starken Longplayer entschädigt. Die seit 1992 auf dem Album „The Ritual“ entdeckte Melodik verliert man auch 20 Jahre später nicht aus den Augen. Und „Dark Roots Of Earth“ ist ohne Biegen und Brechen und einer absoluten Natürlichkeit fast schon so etwas wie die gefühlte Perfektion der musikalischen Ausrichtung von Testament. Freunde des Genres würden bei Nichtbeachtung klar etwas verpassen und kommen an diesem feinen Scheibchen nie und nimmer vorbei.

Anspieltipps:

  • Native Blood
  • Dark Roots Of Earth
  • A Day In The Death
  • Cold Embrace
  • Throne Of Thorns

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