Madsen - Wo Es Beginnt - Cover
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Madsen Wo Es Beginnt


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Madsen gehen zurück zu ihren Wurzeln, zeigen aber mit Bravour, dass sie in den vergangenen Jahren viel dazugelernt haben.

Mit ihrem letzten Album für den Major Universal Music, „Labyrinth” (04/2010), hauten Madsen künstlerisch komplett auf die Kacke und lieferten ein musikalisches Statement á la „hört mal her, was wir alles können!“ ab. Da wurde Queen zitiert und Popmusik mit Stadion-Rock kombiniert, bis sich selbst die Familie Madsen nicht mehr so sicher war, ob das noch die kleine Band aus dem beschaulichen Wendland ist, die einst von Thees Uhlmann (Tomte) ausgegraben und gefördert wurde und ab Mitte 2005 die deutsche Rocklandschaft bereicherte.

Einmal im Leben ein (über-)ambitioniertes Werk wie „Labyrinth“ zu erschaffen, kann und muss jedem Künstler zugestanden werden. Doch dieser muss sich in der Folge klar darüber sein, ob es auf diese Weise weitergehen soll oder ob eine Rückbesinnung auf die Wurzeln die bessere Entscheidung ist. Madsen haben sich für letzteres entschieden und sind „drei bis vier Schritte zurückgegangen“. Die Band hat ihr Management gewechselt und mit Columbia Records ein neues Majorlabel gefunden. Die neuen Songs wurden wieder live aufgenommen und so konzipiert, dass in maximal vier Minuten alles erzählt ist. Doch Obacht! Die erste Single „Lass die Musik an“ schickt den geneigten Hörer mit seinen elektronischen Klängen, den treibenden Rhythmen und den wuchtigen Chören in Bezug auf den Stil des Albums erst einmal in eine völlig falsche Richtung!

Auf „Wo Es Beginnt“ wird nämlich nicht Disco getanzt! Es gibt zwar nachwievor sehr poppiges Material wie die Ballade „So cool bist du nicht“ (im Duett mit Lisa „Who“ Nicklisch) oder den Rausschmeißer „Es wird schon wieder alles gut“ zu hören, doch Madsen machen immer dann besonders Spaß, wenn sie ihre jugendlichen Hardcore-Wurzeln wiederentdecken und in die Songs einfließen lassen. Dass die Band dennoch in der Lage ist, die Verschnaufpausen abwechslungsreich zu gestalten, zeigt, dass sie in den vergangenen sieben Jahren eine Menge gelernt hat.

So startet der Longplayer in herrlich breitbeiniger Manier mit dem symbolträchtigen Titelsong „Wo es beginnt“, gefolgt vom dem an die Foo Fighters gemahnenden „Lass es raus“. Hier finden Madsen genau die richtige Mischung aus eingängigen Refrains und kratzbürstigen Riffs direkt von der Schlachtbank. Dazu gesellen sich plakative Texte bzw. Parolen, verpackt in simple Metal- („Baut wieder auf”, „Alarm im Paradies“) bzw. Queens Of The Stone Age Schweinerockriffs („Für immer dein“). „Love is a Killer“ überrascht mit kultigen Bläsern und wechselndem Gesang (Madsen: deutsch, Hardcore-Ikone Walter Schreifels: englisch), während „Generation im Arsch” als astreiner Punkrock und „Nimm den Regen mit“ als poppiger Indie-Rock in Sportis-Manier durchgeht.

An der Aufzählung ist zu erkennen, dass sich Madsen weiterhin an anderen Künstlern orientieren und einige Riff bzw. Harmonien („So cool bist du nicht“ klingt z.B. wie die kleine Schwester von Joan Osbornes „One of us“) wie von Geisterhand bei den vier Niedersachsen landen. Doch solange die Jungs so unverkrampft und frech ihre eigenen Songs daraus basteln, gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Folglich ist auch „Wo Es Beginnt“ ein starkes Rockalbum geworden, das sich zwei, drei Experimente wie „Lass die Musik an“ gönnt, aber damit genau auf der richtigen Wellenlänge liegt.

Anspieltipps:

  • Lass es raus
  • Wo es beginnt
  • Love is a Killer
  • So cool bist du nicht
  • Die Welt liegt vor dir

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