Soundtrack - The Amazing Spider-Man - Cover
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Soundtrack The Amazing Spider-Man


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 77 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Spidey hat eine Verabredung mit James Horner. Leider vergißt der Altmeister dem arachniden Superhelden einen kohärenten Spannungsbogen mit auf den Weg zu geben.

Ob wir es wollen oder nicht, es gibt zur Abwechslung mal wieder ein Reboot eines bislang sehr erfolgreichen Film-Franchises in den Kinos. Und während wir grübeln, den wievielten Neustart uns Hollywood mit „The Amazing Spider-Man“ (gemessen an den letzten zwei Jahren) beschert, feiert der Actionkracher mit Andrew Garfield als Peter Parker alias Spider-Man bereits seine Premiere. Die Story für den mittlerweile vierten Spinnenfilm dürfte jedenfalls niemanden überraschen, da sich große Teile mit dem Drehbuch der Sam Raimi-Verfilmung aus 2002 decken. Der größte Unterschied ist vermutlich die weniger glatt und heroisch-glänzende Darstellung der Figur des Peter Parker, obwohl alleine Emma Stone-Fans die neue Liebelei des Spinnenmanns namens Gwen Stacy als ausreichenden Grund für einen Reboot angeben würden.

Doch sei´s wie es sei, widmen wir uns lieber den Fußstapfen, in die James Horner („Avatar“, „Titanic“, „Apollo 13“, „Braveheart“) mit seiner filmmusikalischen Darbietung für „The Amazing Spider-Man“ treten will. Diese sind durch einen dynamischen, spritzigen Score von Danny Elfman, der die ersten beiden Spider-Man-Teile betreute, relativ groß und trotz der langjährigen Erfahrung Horners hat er seine liebe Not damit, dem Kampf Gut gegen Böse neue Töne zu entlocken bzw. ein eigenes Gesicht zu verleihen. Natürlich wird ein Komponist meist durch das zugrunde liegende Ausgangsmaterial gefordert und zu Höchstleistungen angespornt, doch angesichts des vorliegenden Materials wird nicht einmal ersichtlich, ob Horner nicht wollte, nicht konnte oder aufgrund externer Vorgaben in seinem künstlerischen Aktionsradius behindert wurde.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Die Kompositionen besitzen einen kleinen, mit außergewöhnlichen und interessanten Ideen gespickten Kern, der von einem dicken Mantel aus trivialer Standardkost überzogen ist. Das Hauptthema ist z.B. majestätisch und erhaben von mächtigen Bläsern in Szene gesetzt („Becoming Spider-Man“, „Promises“), die romantischen Momente hingegen sind an Klischeehaftigkeit nicht zu unterbieten und setzen sich meist aus seufzender Melancholie und schwermütigem Weltschmerz zusammen, die von langgezogenen Streichern oder zarten Pianotupfern bestimmt werden („Rooftop kiss“, „I can´t see you anymore“). Mit diesem konstanten Wechsel von Licht und Schatten gibt sich Horner jedoch nicht zufrieden und beginnt neben sprunghaft aufkeimenden Synthesizerspuren oder elektronischen Beigaben („Main title – young Peter“, „Ben´s death“) auch komplett gegenläufige oder unerwartete Sounds einzubauen.

Dies kann mit dodekaphonischer Ignoranz entweder das Blut in den Adern gefrieren lassen („Saving New York“) oder durch einen seltsam verstörenden Aufbau den Griff zur Skip-Taste erleichtern („Lizard at school!“). Inmitten dieser ambivalenten Vorstellung versteht es Horner allerdings an und für sich ordinäres Gut nicht in den Sand zu setzen und strahlt besonders, wenn es darum geht ein Spannungsmotiv zu etablieren („Hunting for information“, „The spider room – Rumble in the subway“, „The ganali device“), zeigt aber Schwächen beim Einsatz von höherem Tempo wegen hektischer Panikattacken („Oscorp tower“, „Metamorphosis“) oder der schieren Wucht von Pauken und Blechbläsern, die einem wie Splittergranaten um die Ohren fliegen, sodass es auch nicht mehr hilft, wenn zum Schluß ein Knabenchor erinnerungswürdig seine Stimme erhebt („The bridge“).

James Horner stand schon immer für gutbürgerliches Hollywoodkino und mit seiner Arbeit zu „The Amazing Spider-Man“ schließt er den Kreis zwischen Individualität und Fließbandware. Spannende Ideen sind vorhanden, aber viel zu spärlich eingesetzt und der herkömmliche Teil ist nicht immer von Souveranität oder soliden Arrangements umgeben. Wer sich auf die neueste Nacherzählung von Peter Parkers Spinnenwerdung freut, sollte daher besser ganz klassisch ein Kinoticket lösen!

Anspieltipps:

  • The Equation
  • The Briefcase
  • Saving New York
  • Becoming Spider-Man

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