Miseration - Tragedy Has Spoken - Cover
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Miseration Tragedy Has Spoken


  • Label: Lifeforce Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Blutrünstiger Death Metal mit exotischen Folkinstrumenten: Kann das funktionieren?

Christian Alvestam (Gesang) kann nach seinem Weggang bei Scar Symmetry nicht aus seiner Haut und fühlt sich anscheinend nur dann so richtig wohl, wenn sein Gesang in einer Band erklingt, die weit mehr erreichen will als konventionelle Metalkost unters Volk zu bringen. Der dritte Miseration-Brocken „Tragedy Has Spoken“, den Alvestam gemeinsam mit Jani Stefanovic (Gitarre), Marcus Bertilsson (Gitarre), Johan Ylenstrand (Bass) und Rolf Pilve (Schlagzeug) eingetrümmert hat, ist nämlich genauso speziell geworden wie ein neuer David Lynch-Streifen.

Bereits der erste Durchgang sorgt für hochgezogene Augenbrauen, krabbeln innerhalb der guten Dreiviertelstunde schließlich einige Fremdkörper in die Gehörgänge, die zuerst einmal nicht zwischen fehlerhafter Pressung und kaputten Boxen zu unterscheiden sind. Ein Blick in das Booklet verrät allerdings, dass es sich um das gelegentliche Gekratze, Gefiepe und Gezupfe um verschiedene Folkinstrumente handelt, die Miseration mal sinnvoll und mal weniger passend einzusetzen wissen. So nimmt man zwar mehr oder weniger freiwillig an einem spannenden Experiment teil, weiß am Ende aber nicht, ob man das Gehörte abgefahren oder ziemlich blöd finden soll.

Hochoktanige Schlagbolzen wie „Stepping stone agenda“ oder „Ghost barrier“ werden nämlich regelrecht von der Auswahl an exotischen Instrumenten wie Esraj (eine indianische Harfe), Santur (eine im persischen Raum verwendete Form des Hackbretts), Saw (ein thailändisches Saiteninstrument) oder Mandoline genötigt und in ihrer Durchschlagskraft empfindlich geschwächt. Dafür schlagen pure Prügelexkurse wie „Hill of the poison tree“, „White light / black rain“, Disaster cage“ und „Children of the flames“ ohne Rücksicht auf Verluste unentwegt auf die Fresse, sorgen für einen Heidenspaß und bieten kurzweilige „Knüppel aus dem Sack“-Ästhetik.

„On wings of brimstone“ und „Ciniphes“ übertreiben es dann jedoch wieder und flirten mit Klargesang, süßlichen Pianoparts und ethnomusikologischer Pionierarbeit, den Vogel schießen Miseration aber im Abschluss „Waylayer“ ab, wo künstliche Soundtrack-Atmosphäre, Babygeschrei und ein zerfahrenes Songkonstrukt zum Weiterschalten einlädt. Wäre „Tragedy Has Spoken“ über weite Strecken nicht so verflucht ansprechend mit genialen Leadgitarren, dem über jeden Zweifel erhabenen Organ von Alvestam und einem sattem Groove ausgestattet, der dritte Ausflug der Schweden wäre mit Sicherheit ein mutiger, aber dennoch missglückter Griff ins Klo geworden. Gut, dass es nicht dazu gekommen ist!

Anspieltipps:

  • Hill Of The Poison Tree
  • Children Of The Flames
  • White Light / Black Rain

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