Evaline - Woven Material - Cover
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Evaline Woven Material


  • Label: Ministry Of Sound/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Evaline wollen viel, erreichen durch ausgeprägte Langeweile aber relativ wenig.

Da spielen Richard Perry (Gesang), Dan Petersen (Gitarre), Dominic DiCiano (Gitarre), Christian Lewis (Gitarre), Steven Pedersen (Bass) und Greg Petersen (Schlagzeug) erst seit ein paar Jahren zusammen und schon sind sie ein Fixpunkt in der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft 2012. Ihr Song „There there“ wurde nämlich für die Respect-Kampagne der UEFA ausgewählt und beschallt somit seit gut drei Wochen die Werbepausen zwischen den Halbzeiten. Die dadurch gesteigerte Flächenwirksamkeit Evalines geht sogar in Ordnung, denn der schmissige Gute Laune-Rocker mit Fanchor-Affinität und Gassenhauerqualitäten eines „Jerk it out“ (Caesars) oder „Bohemian like you“ (The Dandy Warhols) sorgt unweigerlich für gute Laune und besitzt infektiöses Ohrwurmpotential.

Der auf Albumlänge gedehnte Nachschlag kann mit dieser fetzigen Darbietung allerdings nicht mithalten, „Woven Material“ ist dafür viel zu kontraproduktiv und sperrig. Schon der 7 Minuten lange Opener „Beneath the fire“ zerrt mit wirbelnden Drums, flirrenden Angels & Airwaves-Gitarren und hakenschlagenden Handlungsverläufen recht schnell an den Nerven des Hörers, entschädigt aber zumindest mit subtiler Sogwirkung. Aus der Abteilung „Sturm und Drang“ bieten Evaline in weiterer Folge das kaskadierende „Ascend“ an, beginnen danach jedoch sukzessiv mittlere Geschwindigkeitsregionen anzusteuern, die Kompositionen hervorrufen, die entweder durch die Wiederholung des Refrains haften bleiben („Picking it up“, „Hours“) oder im schlimmsten Fall dröge vor sich hin lamentieren („Equally“, „Who are you“, „Feeding on the congregations“).

Die besondere Spezialität der Kalifornier sind in diesem Zusammenhang allerdings prätentiöse Cocktails aus Dredg-Pathos und U2-Stadiontauglichkeit, welche mit bedrohlichen Gitarren („Rapture“) oder kleinen („Overwhelming shapes“) bis größeren Soloeinlagen („All in my mind“) positiven Anklang finden, im Großen und Ganzen aber viel zu selten mit originellen Ideen untermauert werden. Wo z.B. bei Muse rabiate Bassläufe die Szenerie bevölkern oder Placebo mit hemmungsloser Hingabe die Ekstase spürbar macht, bleiben Evaline geradeaus und weichen kaum vom vorgegebenen Pfad ab. Damit ist „Woven Material“ zwar nicht unbedingt ein zweites „Thirteen Tales From Urban Bohemia“, einen Blindkauf sollte man angesichts der knalligen Single „There there“ trotzdem besser nicht tätigen.

Anspieltipps:

  • There There
  • All In My Mind
  • Beneath The Fire
  • Overwhelming Shapes

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