Bakkushan - Kopf Im Sturm - Cover
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Bakkushan Kopf Im Sturm


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bakkushan betrachten die Dinge auf Album Nummer 2 nicht nur von hinten.

Nach der Party kommt der Kater. Diese ganz und gar nicht konfuzianistische Lebensweisheit hat Daniel Schmidt (Gesang, Gitarre), Robert Kerner (Gitarre), Christian Kalle (Bass) und Jan Siekmann (Schlagzeug) nach ihrem in bester Feierlaune um sich schlagendem 103391Erstlingswerk (03/2010) auf „Kopf im Sturm“ fest im Griff. Ihre „Springwut“ haben die vier Mannheimer abgelegt und selbst aus Gold ist nur mehr ein geringer Bruchteil der lyrischen Ergüsse. Vielmehr regiert nach ausgedehnten Überlegungen die ernüchternde Feststellung „Ich hasse die Liebe“. So melancholisch und überraschend direkt das für eine deutschsprachige Rockband klingen mag, so ist es auch. Bakkushan pfeifen auf allumfassenden Kitsch oder tröstendes „Jeder Topf findet seinen Deckel“-Gesülze, sondern geben dem Hörer in treibenden Rock/Punk-Gewändern das Gefühl in 3:30 das komplette Emotionsspektrum, das einem nach einem Laufpass oder einer unverhofften Trennung Schmerzen zufügt, in Worte zu fassen um im gleichen Atemzug durch diese gnadenlose Selbstreflexion die ambivalente Gemütslage stabilisieren zu können.

Songs wie „Der letzte Mensch der Welt“ oder „Nur die Nacht“ thematisieren aber nicht nur ordinären Liebeskummer, sie lassen mit geschickter Konstruktion die Interpretationsmöglichkeiten nach allen Seiten offen und empfangen das leidende Individuum mit offen Armen, egal ob die Freundin Schluss gemacht hat oder an einem Samstag abend wieder nur auf den Fernseher Verlass war. Zwischendurch liefern Bakkushan mit „Vorhang auf“, „Das ist für euch“ und „Parallel“ zwar nicht mehr als gut funktionierenden Stadionrock (z.B. „Dub dub dub dub du und ich / Dub dub dub dub ich und du / Wir sind paaaraaaaalleeeel“), bei der Treffsicherheit von bitterbösen Abrechnungen mit nervigen Besserwissern („Du nervst weil...Fuck you“), charismatischen Liebesbezeugungen fernab von schmachtenden Schmalzlocken wie Bruno Mars („Sag nur ein Wort“, „Solang du schimmerst“) oder relaxten Deutschrocksongs mit Ohrwurmgarantie („Besser geht´s nicht“) können den vier Herrschaften solche regelrecht unspektakulären Kompositionen jedoch verziehen werden. Außerdem: Das nächste Live-Konzert kommt besimmt!

Dass die Mannheimer mit „Kopf im Sturm“ zur Elite der deutschen Songwriterzunft aufschließen und mindestens auf der gleichen Stufe mit Jupiter Jones, Muff Potter oder Mikroboy stehen, beweisen sie aber vor allem mit dynamischen Wunderwerken wie „1000 Farben Grau“ oder dem voll positiver Energie umgebenen „Sollbruchstelle“, das allein durch seine fabelhaft in Szene gesetzte Textzeile „Ich weiß es wird besser, weil wir immer wieder Licht sehen“ ein Lächeln auf des Gesicht des Hörers zaubert, bevor das abschließende „Niemand warnt dich“ wieder auf den Boden der Tatsachen blickt und als finale Konsequenz vom Abschied eines geliebten Menschen handelt. Damit ist Bakkushans Zweite sicherlich kein Vergleich zum ausgelassenen und feucht-fröhlichen Debüt, die verstärkte emotionale Grundlage macht „Kopf im Sturm“ allerdings zu einer weitaus intensiveren Platte, die sich zum Glück vorbehält ins Lächerliche oder Oberflächliche abzudriften.

Anspieltipps:

  • Sollbruchstelle
  • 1000 Farben Grau
  • Ich hasse die Liebe
  • Du nervst weil...Fuck You!
  • Der letzte Mensch der Welt

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