Bloc Party - Four - Cover
Große Ansicht

Bloc Party Four


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bloc Party wollen wieder für einen stillen Alarm sorgen, finden aber den Schalter nicht.

Zu Beginn schlichtweg genial, anschließend überambitioniert und letztendlich von allen guten Geistern verlassen. Die Fangemeinde von Kele Okereke (Gesang, Gitarre), Russell Lissack (Gitarre), Gordon Moakes (Bass) und Matt Tong (Schlagzeug), wartet noch immer auf den Nachfolger des zurecht gehypten Debüts „Silent Alarm“ (02/2005). Da sich die vier Briten allerdings lieber weiterentwickeln anstatt Auftragsarbeiten abzulegen, scheint ein glückliches Ende in dieser Angelegenheit immer weiter in die Ferne zu rücken. Obwohl: Mit „Four“ könnten zumindest ein paar Nörgler befriedigt werden, schließlich orientieren sich Bloc Party auf dem neuesten Werk mehr denn je am aufgekratzten Gitarrensound des Erstlings und gebärden sich dabei kaum elektronisch, dafür nachdenklich wie schon lange nicht mehr.

Damit wären wir auch schon beim größten Manko am vierten Output von Okereke & Co. angekommen, denn „Four“ setzt über weite Strecken derartig langsam und ausschweifend zum Sprung an, dass viele Songs ihren Höhepunkt vergessen und still und heimlich ausklingen anstatt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen („The healing“, „Day four“). Dies hat nicht nur zur Folge, dass der Funke nach den ersten paar Umdrehungen absolut gar nicht überspringen will und man die Platte am liebsten in den nächsten Giftschrank befördern möchte, sondern auch, dass der Geduldsfaden für „Four“ besonders lang sein muss, um letzten Endes doch noch ein paar Lichtblicke zu erhaschen, die den gordischen Knoten aus subtilen Widerhaken („Real talk“), fesselnden Melodien („Truth“) oder krachigem Gitarrenfeedback („Kettling“) lösen und als positives Erlebnis in den Gehörgängen registrieren.

Nichtsdestotrotz sind verspielte Details eines „Helicopter“ oder „Luno“ Mangelware und Bloc Party können sich nicht entscheiden, ob sie lieber auf kuschelige Art und Weise auf Nummer sicher gehen wollen („Octopus“, „V.A.L.I.S.“) oder in die Experimentierkiste greifen und dadurch zumindest kleine Anreize zum Entdecken liefern („Team A“, „Coliseum“). Ein roter Faden ist jedenfalls kaum auszumachen und der Wechsel zwischen ungemütlich und sanft, laut und leise, rumpelig und monoton lässt das ganze Album zerfahren und unentschlossen wirken. Da kann Kele die Dramatik der Kompositionen noch so jaulend („So he begins to lie“), flüsternd („3x3“) und extrovertiert („We are not good people“) aus seinen Lungen rotzen, ein eindeutiger Kurs wäre auf „Four“ deutlich angebrachter gewesen.

Für die Fans der ersten Stunde bedeutet das, den Wunsch nach einer qualitativ hochwertigen Kopie von „Silent Alarm“ weiterhin ins Abendgebet einschließen zu können, während aufgeschlossenere Hörer von Okereke, Lissack, Moakes und Tong lediglich verlangen, dass „Five“ bei gleichbleibendem Melodieverständnis auch als Gesamtpaket Sinn machen soll und das Gaspedal ruhig öfter zum Einsatz kommen darf.

Anspieltipps:

  • Truth
  • Team A
  • Kettling
  • Real Talk

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Alles Fliesst
  • 2020    
Diskutiere über „Bloc Party“
comments powered by Disqus