Vintersorg - Orkan - Cover
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Vintersorg Orkan


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

So unterkühlten, einzigartigen Prog beherrschen nur Vintersorg!

Heutzutage weiß natürlich jedes Kind, dass man aus dem schönen Schweden gepflegte Metal-Kunst erwarten kann. Ob nun Opeth, Therion oder Evergrey: Sveriges Töchter und Söhne legten bei ihren Kompositionsarbeiten schon immer Wert auf Innovation. Vintersorg machen da natürlich keine Ausnahme. Das Zwei-Mann-Projekt (live natürlich dementsprechend expandiert) gehört zu den Pionieren, wenn es darum geht Viking Metal sowie Schwarzmetall in die Prog-Schmiede zu werfen und zu gucken, was raus kommt. Es ist nicht übertrieben sie zu den wichtigsten Gruppierungen der schwedischen Szene zu zählen. Mit „Orkan“ haben die Herren Hedlund und Marklund ihr bislang achtes Album am Start. Statt Taiga und Nebel auf dem Artwork, erwartet den Hörer eine Sturmflut, die das Land zu verschlucken droht.

Stellt „Jordpuls“ noch nach Alben wie „Visions From The Spiral Generator“ oder „The Focusing Blur“ eine Rückkehr zu den Anfängen als Folk-/Black-/Viking-Kombo dar, ist „Orkan“ sehr viel verschachtelter und bugsiert die Nordmänner wieder deutlich in die Prog Metal Ecke. Der Opener „Istid“ legt da die Karten direkt auf den Tisch. Zwar streut man dann und wann auch immer mal wieder etwas Folk oder Viking in den Song, dennoch überschattet der progressive Aufbau alle anderen Elemente. Das soll sich fortan auch kaum ändern. Auflockerungen sind geschickt und wohl überlegt platziert. Die ausschließlich in der Landessprache der Schweden vorgetragenen Songs strotzen zudem vor Komplexität aber schnellem Zugang. Zwar stellt eine Viking-Hymne wie der Rausschmeisser „Urvädersfången” nicht die Regel des Albums dar, aber besonders Fans von Vintersorg sollten sich auch bei den restlichen Kompositionen sofort heimisch fühlen.

„Havets nåd“ legt sogar mit Blastbeats los und entwickelt sich später zu einem folkig-progressiven Monstrum und beim Titeltrack „Orkan“ kriegt man dann sogar fast den Sing along-Titel. „Ur stjärnstoft är vi komna“ oder das sehr harte „Myren“ sind Songs, wie sie nur Vintersorg schreiben können: Irgendwie immer etwas hektisch, dezent verspielt. Der cleane Gesang, die Gruntings sowie das gesamte klangliche Gesamtbild bilden eine fast schon einzigartig Symbiose. Das Ergebnis ist sehr trocken und überaus unterkühlt. Aber ein besseres Kompliment könnte man Vintersorg doch nicht machen, oder?

Letztendlich ist „Orkan“ genau das Album geworden, welches man von Vintersorg erwartet hat. Und dann irgendwie doch nicht. Nach dem Vorgänger hätte man genauso gut mit einem straighteren Longplayer mit hohem Folkanteil rechnen können. Am Ende ist „Orkan“ dann doch die progressive (und doch irgendwie nüchterne) Weiterführung der Werke ab 2002 geworden. Und das steht Vintersorg gut, denn sie zeigen ein weiteres Mal, dass es möglich ist, mehrere Genres unter einen Hut zu bringen und zu einem homogenen Ganzen zu verbinden. Sie sind (und waren nie) die einzige Band, die das vermag oder vermochte. Aber sie beweisen, dass ihr Stil absolut einzigartig ist.

Anspieltipps:

  • Istid
  • Myren
  • Orkan
  • Urvädersfången

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