Durstlöscher - Feierbiester - Cover
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Durstlöscher Feierbiester


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 67 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit einer künstlerischen Freinase, wie man sie sonst nur von Deichkind kennt, wollen zwei junge Damen die deutschen Clubs erobern – auf Biegen und Brechen!

Mit einem guten Schuss Selbstüberschätzung haben sich schon Susanne Blech als Teil der modernen Musikbewegung Deutschlands präsentiert. Der Glaube daran, dass die eigenen Texte total stilsicher und kontrovers und damit gewinnbringend für die junge Generation sind, ist durchaus überwältigend, wenn man letztendlich zu geschmacklosen, aber zum Glück meist harmlosen Parolen den Körper bewegt. In eine ähnliche Sparte drohen Durstlöscher, bestehend aus Produzentin Melbeatz und Sängerin Alexandra Prince, zu geraten, wenn sie mit „Feierbiester“ modern und frisch den Dancefloor aufwischen wollen.

Im Vergleich zur recht schwachbrüstigen Produktion der Freunde von Susanne Blech, überlassen Durstlöscher nichts dem Zufall. Melbeatz packt alles aus der Schublade, was gerade angesagt ist, sodass Deichkindsche Züge wie im Opener, der ganz bescheiden den Namen der Kombi trägt und DubStep („Alles Riskieren“) sich die Klinke in die Hand drücken. Die Texte gehen dabei möglichst lyrisch mit dem Profanen des Alltags um. Sexueller Kontext zwischen und während der Zeilen in „Hart“ und aufdringlich repetitive Tanzbefehle („Die Ganze Nacht“ mit D-Flame) sind stupide und damit wie gemacht für die Tanzfläche, die das Gefühl und nicht den Inhalt in den Vordergrund stellen soll.

Egal wie trivial es textlich wird, wenn von „Raketenpulver“ und „Liebeslegastheniker“ gesungen wird, stülpen sich die Damen jedes neue Klangkorsett problemlos über. Wie auf einer Bad-Taste-Party schaffen sie den berühmten Spagat in noch so wild gemischter Kleidung immer eine souveräne (wenn auch nicht immer gute) Figur zu machen. Eine dicke Schicht Trash-Glamour der Hamburger Schule dringt immer zum Hörer durch, wobei erst bei genauerer Betrachtung auffällt, mit welcher Aggressivität das Duo immer wieder neue Stile mit weiteren Liedern aufgreift.

Die verzweifelte Suche für jeden Hörer den passenden Sound zu finden ist so löblich wie auch schädlich für den Sound der Band. Eine feste Richtung lässt sich nämlich nicht ausmachen, wenn der Lounge-Titel „Am Strand“ zwischen Parolen-Pop im Opener und Electro- Querelen wie in „La Boum“ zu keinerlei Harmonie im Gesamtbild des Albums kommt. So ist „Feierbiester“ wirklich eine durchtanzte Nacht mit vielen Filmrissen und ohne echten Zusammenhang, an die man sich zwar nicht erinnert, aber die man immer wieder gerne als beste Nacht des Lebens bezeichnet. Bezeichnend.

Anspieltipps:

  • Durstlöscher
  • Hart
  • Am Strand

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