Nachtmystium - Silencing Machine - Cover
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Nachtmystium Silencing Machine


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Blackadelia hat noch niemandem geschadet, Stillstand jedoch schon.

Wenn die extrem pingeligen Damen und Herren von Pitchfork Media von Innovation reden, dann muss es sich bei dem betreffenden Werk namens „Assassins: Black Meddle, Part 1“ (06/2008) wohl wirklich um ein herausragende Platte handeln. Blake Judd (Gesang, Gitarre), Drew Markuszewski (Gitarre), Sanford Parker (Keyboard), Will Lindsay (Bass) und Charlie Fell (Schlagzeug) kümmern solche Lobhudeleien aber sowieso nicht, als psychedelisch angehauchte Black Metal-Truppe mit Doom, Stoner, Punk und Industrial-Elementen verfolgen sie ein ganz anderes Ziel, was das Decibel Magazin korrekt mit den Worten: „Nachtmystium geht es um die Konfrontation, darum, die Leute herauszufordern, ihren Geist zu öffnen und darüber hinauszuschauen, was sie als „true heavy music“ kennen, und die Tatsache zu akzeptieren, dass ein bisschen Experimentierfreude noch niemandem geschadet hat“ auf den Punkt gebracht hat.

Vorschußlorbeeren für den sechsten Longplayer „Silencing Machine“ zu streuen macht trotzdem keinen Sinn, da das sorgsam errichtete Kartenhaus aufgrund der hohen Erwartungen an den Erfinder des „Blackadelia“ schneller in sich zusammen fallen könnte als gedacht. Konsequente Weiterentwicklung ist eine Notwendigkeit, Stillstand ein bitteres Zugeständnis. Die zehn neuen Songs liegen genau dazwischen. „Ich denke, man kann schon sagen, dass dies der Nachfolger von ‚Instinct: Decay’ ist. Ich bin extrem stolz auf die ‚Meddle’-Alben, aber dieses Kapitel ist für Nachtmystium vorbei. Man hört Bands ja ständig sagen, dass sie zu ihren Wurzeln zurückkehren, aber das ist bei Nachtmystium nicht wirklich der Fall. Wir haben unsere Wurzeln nie wirklich verlassen, sondern nur einen kleinen Umweg genommen und dabei ein bisschen herumgealbert“ erklärt Bandkopf Judd, während man die ersten verzerrten Klänge des Openers „Dawn over the ruins of Jerusalem“ an sein Ohr lässt.

Auf unbequeme Art und Weise schnüren Nachtmystium die Kehle zu, ein verstörendes Black Metal-Biest fletscht die Fangzähne und während man noch wie gebannt dem störrischen Treiben, das aus den Lautsprechern kommt, lauscht und sich fragt, was einem da eigentlich gerade überfahren hat, rast der Titeltrack als arschcooles Black´n´Roll-Gebilde am Hörer vorbei, dass selbst Herr Kilmister seine zwei Teufelshörnchen in den Himmel streckt. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht minder interessant, gebärdet sich „And I control you“ als pechschwarze Celtic Frost-Hommage, bis „The lepers of destitution“ in Post Metal-Sphären abtaucht, und mit offbeatlastigem Schlagzeug und verzweifelter Stimmung eine gnadenlose Sogwirkung entstehen lässt. Melodic Black Metal mit 70er Jahre Hardrock-Ausläufen wird in „Borrowed hope and broken dreams“ serviert, signifikante Unterschiede zu einem Act wie Dark Tranquillity finden sich jedoch nur in den verzerrten Vocals, die ebenfalls in „I wait in hell“ und „Reduced to ashes“ eine Vormachtstellung einnehmen, ansonsten knüppeln die Nummern aber äußerst bieder durch die Gehörgänge.

Ähnliches spielt sich auch bei „Decimation, annihilation“ ab, allerdings rettet den Track seine punkige Note und ein abgedrehtes Soundarsenal, die gemeinsam einen einzigartigen Groove generieren. Zum Abschluss legen sich Nachtmystium noch einmal richtig ins Zeug und stellen mit dem hymnischen und vor morbider Atmosphäre stotzendem „Give me the grave“, sowie dem bedrückenden, sich anfänglich nur schleppend fortbewegendem „These rooms in which we weep“ zwei Highlights vor, die mit ziemlicher Sicherheit bald die Setlisten der kommenden Liveshows besetzen werden. Nichtsdestotrotz bleibt der Fünfer seinen Fans im Vergleich zu den vorangegangenen Werken einiges schuldig und vermischt auf „Silencing Machine“ oftmals spannende Ideen mit überambitionierten Experimenten, was sich nicht immer auszahlt und den einen oder anderen Skip-Kandidaten forciert. Gemessen an anderen, ähnlich agierenden Bands zeigen die Amis zwar weiterhin den größten Mut, eine gewisse Innovationsarmut lässt sich dennoch nicht leugnen.

Anspieltipps:

  • Silencing Machine
  • Give Me The Grave
  • The Lepers Of Destitution
  • These Rooms In Which We Weep

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