Soundtrack - Merida: Legende Der Highlands - Cover
Große Ansicht

Soundtrack Merida: Legende Der Highlands


  • Label: Walt Disney Records
  • Laufzeit: 66 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit ihrem 13. abendfüllenden Kinofilm hat sich die Animationsschmiede Pixar vor allem ein Ziel gesteckt: Unsere Herzen im Sturm zu erobern!

2012 gibt es nicht nur einen heißen Anwärter für die Auszeichnung „Inspirierendste weibliche Hauptrolle des Jahres“, denn nach Jennifer Lawrence alias Katniss „The girl who was on fire“ Everdeen in der erfolgreichen Verfilmung des ersten Teils von Suzanne Collins bitterer Dystopie „The Hunger Games“ ist mit der von einer feuerroten Lockenpracht umgebenen, schottischen Königstochter Merida eine ebenbürtige Konkurrentin von den Machern von „Toy Story“, „Findet Nemo“ oder „Wall-E“ geschaffen worden. Die Story zu „Merida: Legende der Highlands“ mag vielleicht keine weitreichenden, politischen Wurzeln haben und die Ausgangslage der Protagonistin (Meridas Mutter will ihre Tochter an den Mann bringen, diese denkt aber nicht im Traum daran und will sie durch die Unterstützung einer Hexe umstimmen) nicht annähernd die gleiche existentielle Bedrohung darstellen wie eine mögliche Niederlage von Katniss bei den Hunger Games, doch bezaubernd und auf charmante Art und Weise sturköpfig ist der Charakter der schottischen Bogenschützin allemal.

Musikalisch untermalt wird der im saftigen Grün der Highlands angesiedelte Plot von Patrick Doyle, der, abgesehen von seiner schottischen Herkunft, schon mit seinem Beitrag zu „Harry Potter und der Feuerkelch“ (11/2005) seine Liebe zu folkloristischen Themen offenkundig machte, nachdem er jahrelang Kenneth Branaghs Haus- und Hofkomponist für seine auf Celluloid gebannte Shakespearedramen war. Für den Hörer bedeutet dies letzten Endes einem durch und durch authentischen Score lauschen zu dürfen, der neben seinem Arsenal an typisch keltischen Instrumenten wie verschiedenen Fideln, Flöten, Harfen und Perkussion (z.B. Bodhran), sowie dem obligatorischen Dudelsack, noch mit dem London Symphony Orchestra bestückt ist, was den Entdeckungsdrang und Wiedererkennungswert ordentlich in die Höhe schraubt. Zwar gibt es einige seltsam anmutende, wirr konstruierte Momente, die sich nur im Kontext mit dem Film erschließen („Remember to smile“), doch diese kleinen Unschlüssigkeiten als Negativpunkt zu deklarieren wäre reine Erbsenzählerei.

Viel störender sind da schon die Wiederholungen im hinteren Drittel des Scores, die auf der einen Seite wegen den unterschiedlichen Themen der Protagonisten vorkommen (gut), aber auf der anderen auch meist nur eine simple Copy & Paste-Funktion diverser Emotionen und Spannungsparameter beanspruchen (schlecht), die Doyle bereits in vorhergehenden Arbeiten serviert hatte, wie z.B. den sanftmütigen Charakter eines „Can you see Jane“ aus seiner Filmmusik zu „Thor“ oder perkussiv-treibende Rhythmen in actiongeladeneren Sequenzen, die zwar wunderbar das Geschehen untermalen und die Herzfrequenz in die Höhe schnellen lassen, bei genauerer Betrachtung aber auch gut und gerne vom „Planet der Affen: Prevolution“-Soundtrack stammen könnten, was der Individualität nicht besonders zuträglich ist („Mum goes wild“, „Not now!“). Im besten Falle erfreut der Schotte den Hörer jedoch mit gewitzt arrangierten Stücken („The witch´s cottage“), spannungsgeladener Stealth-Symbolik („Through the castle“), tränenreichem Drama („Legends are lessons“, „We´ve both changed“), kurzen Abstechern ins Horrorfach („Merida rides away“) oder dunklen Stimmungen („Show us the way“, „I am Merida“), die ganz von alleine eine wendungsreiche Geschichte erzählen.

Das ist aber noch nicht alles, denn mit dem bierseligen „Song of Mor´du“ gibt es Futter für den Ohrwurm, das in gälisch gesungene „Noble maiden fair“ ist ein atemberaubendes Zeugnis schottischer Folklore im Stile einer Loreena McKennitt und die beiden von Folk-Sängerin Julie Fowlis dargebotenen Kompositionen („Touch the sky“, „Into the open air“) entführen selbst im dunkelsten Keller spielend in die leuchtend bunte Landschaft der schottischen Highlands. Lediglich die Zusammenarbeit von Newcomer Birdy mit den britischen Folkrockern Mumford & Sons vermisst das gewisse Etwas und sichert sich nur das Prädikat „ganz okay“. Kurzum: Folk- und vor allem Schottland-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, Unentschlossene werden aber mit ziemlicher Sicherheit spätestens nach einem Besuch im Kino den Soundtrack zu „Merida: Legende der Highlands“ ihr eigen nennen.

Anspieltipps:

  • Not Now!
  • Touch The Sky
  • Into The Open Air
  • Noble Maiden Fair
  • The Witch´s Cottage
  • We´ve Both Changed

Neue Kritiken im Genre „Filmmusik“
7/10

The Hunger Games: Mockingjay Part 1
  • 2014    
Diskutiere über „Soundtrack“
comments powered by Disqus