Ahab - The Giant - Cover
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Ahab The Giant


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Schwermütig und hypnotisch begräbt die metallische Sturmflut die Konventionen des Doom Metals. Ahab liefern ihr stärkstes Album überhaupt ab.

Irgendwie ist es immer ein wenig grenzwertig, wenn man einem metallischen Subgenre einen Zusatz gibt, der die lyrische Ausrichtung beschreiben soll. Bei Viking Metal geht das noch klar, bei White Metal (der letztendlich jedes Genre abdecken kann) oder bizarren Wortneuschöpfungen wie „Hollywood“ oder „Ithyphallic“ stehen die Haare schon aufrecht im 90°-Winkel. Und Ahab? Sie machen seit ihrem Erstling „The Call Of The Wretched Sea“ einen sogenannten Nautik Doom Metal. Und man mag es kaum glauben: Die Klassifizierung passt! Die deutschen Doomster haben Herman Melvilles Moby Dick bisher mit einer einzigartigen Spielart behandelt, die zu jeder Zeit die Unbarmherzigkeit und Trostlosigkeit der See transportierte. Dickflüßig wie Lava und so gewaltsam wie eine Sturmfront ist die Musik Ahabs. An diesem Erfolgsrezept hält die nach dem berühmten Kapitän benannte Band fest.

„The Giant“ ist ein Konzeptalbum, welches in der Tradition der Gruppe wieder auf einem Seefahrerroman basiert. Herhalten muss Edgar Allan Poes „Der Bericht des Arthur Gordon Pym“. Sein einziger Roman. Auch musikalisch bleibt man sich treu, vermeidet aber unnötiges Wiederholen und Ausschlachten. Und das ist auch gut so.
Der Opener „Further South“ beschwört direkt eine herrlich dichte Atmosphäre und erinnert stark an die Opeth der Retro Prog Phase, ohne aber zu weit in diese eindringen zu wollen. Die melancholische Stimmung wird dann von sinistrem Doom Metal unterbrochen, mit dem Ahab bekannt geworden sind. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Die erwähnten Opeth zu ihren stärksten Zeiten wären neidisch geworden. Und sollte der Begriff in musikalischer (und nicht generischer) Hinsicht noch etwas wert sein: So etwas nennt man progressiv, denn Ahab klingen wirklich anders als so manch eine Band aus der Prog- oder Doom-Szene.

Auch der Rest des Albums ist kompromisslos. Während andere Bands mehr und mehr darauf achten, dass die Kompositionen eines Konzeptalbums auch für sich alleine stehen können, machen Ahab ohne Wenn und Aber ihr Ding. Die sechs Kompositionen können nur schwer für sich alleine stehen, sondern entfalten ihre wahre Faszination erst als Gesamtwerk. Weiterhin hervorzuheben sind auf jeden Fall „Aeons Elapse“, „Deliverance“ und der Titeltrack und Rausschmeisser. Während „Aeons Elapse“ mit seinen fast 13 Minuten ein vielschichtiger und abwechslungreicher Longtrack ist, begeistern besonders „Deliverance“ und „The Giant“ abermals mit ihren gelungenen Flirts mit ruhigen und elegischen Passagen, irgendwo zwischen Retro Prog, Nu-Art Rock und Post Rock. Vereinzelt darf es sogar mal bombastisch werden, kitschig jedoch zu keiner Sekunde.

Die einzig vernünftige Möglichkeit „The Giant“ zu erfassen, ist den Longplayer in einem Rutsch zu hören. Am besten im verdunkelten Raum, mit Kopfhörer, viel Ruhe und Geduld. Ahab machen es dem Hörer auf ihrem dritten Album sicherlich nicht leicht, aber das ist auch wohl kaum ihre Absicht gewesen. Stattdessen haben sie ein extrem faszinierendes Stück Metal geschmiedet, welches wie kaum ein anderes in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit des Hörers derart belohnt. „The Giant“ benötigt Zeit und Geduld, wird dann aber umso intensiver. Es wäre eine Schande, wenn die vier Deutschen mit diesem Werk nicht endgültig ganz Oben ankommen würden.

Anspieltipps:

  • Further South
  • Aeons Elapse
  • Deliverance
  • The Giant

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