Mary Epworth - Dream Life - Cover
Große Ansicht

Mary Epworth Dream Life


  • Label: ADA Global/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein psychedelisches Singer/Songwriter-Sammelsurium ohne Zauberkraft.

Die Metapher der schweren Geburt trifft es gut für Mary Epworths psychedelisches Debüt „Dream Life“. 2008 hörte man das erste Mal von der blonden Schönheit, die aus einem ABBA-Musical zu entspringen schien. Mit „The Saddle Song“ zeigte sie schon damals ihre Liebe für die psychedelischen, lauten Töne im Singer/Songwriter-Genre und deutete sich als Hoffnung für die Szene an. Vier Jahre später muss man nach den Namen Amy Winehouse und Adele abermals nachfragen, ob die Aktualität dieser psychedelischen Ader nicht überflüssig geworden ist oder ob sich Epworth zusammen mit Frauen wie Gemma Ray gegen den großen Hype stemmen kann und wird.

Um gar nicht erst Zweifel an ihrer Musik aufkommen zu lassen, legt das Debüt der nicht mehr ganz frischen Newcomerin mit der Vorabsingle „Long Gone“ los. Hier wird mit rauen Gitarren, Bläserensembles und Ohrwurmpotenzial nur so um sich gefeuert, dass man den Mund kaum zu bekommt. „Long Gone“ ist keine Revolution, aber ein so auf den Punkt gebrachter Track, dass es die Kinnlade noch eine Weile baumeln lässt. Die Essenz dieser Übersingle wird in den folgenden Tracks fein säuberlich aufgeteilt, sodass „Black Doe“ Epworths Willen zu dreckigen Gitarren offenbart und „Sweet Boy“ die zeitlose Country/Folk-Ballade mimt.

Mit mehr Sphäre und Hall in der Stimme wird daraus die zurzeit angesagte Indie-Pop-Kost in Balladen-Form („Two For Joy“), aber auch mit gehobenem Tempo. So treffen sich in „Trimmed Wing“ verzerrte Bässe, Tamburin und Chöre zu hypnotischen Rhythmen und fertig ist die Esoterik-Indie-Nummer. So tastet sich Mary Epworth noch durch so einige Soundexperimente und erinnert an alte Horrorfilme mit Elektro-Orgel-Klängen („Come Back To The Bough“) und bringt Björks Stimmüberlagerungswahnsinn zurück in die Vergangenheit in „Those Nights“ und „If I Fall Now“.

Interessant ist das allemal, verliert aber mit anhaltender Spieldauer so sehr an Fahrt, dass die Erwartungshaltung von einem gut durchdachten, knackigen Singer/Songwriter-Album mit einer guten Portion Psychedelic unverhofft in ein experimentelles Sammelsurium umschwenkt. Ohne die ganz große Zauberkraft einer Gemma Ray, die inzwischen auch dem Dark-Pop einen Besuch abgestattet hat, verliert sich Epworth zu oft in langsamen Stücken, die den Zeitgeist, aber sonst nichts treffen. Die positiven Ausreißer des Albums machen hingegen Lust auf mehr und lassen das Gesamtbild weniger als Täuschung erscheinen. Vielmehr erleben wir eine junge Künstlerin, die sich auch vier Jahre nach ihrer ersten Single erst mal selbst ausprobieren möchte.

Anspieltipps:

  • Long Gone
  • Trimmed Wings
  • Two For Joy

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8.5/10

Rough And Rowdy Ways
  • 2020    
Diskutiere über „Mary Epworth“
comments powered by Disqus