Shed - The Killer - Cover
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Shed The Killer


  • Label: 50 Weapons/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Frisch aus dem Modeselektor zum nächsten Eigenwerk: Shed aus Berlin grast die Elektro-Landschaft grundlegend, aber nicht sehr strukturiert ab.

Es ist dumpf, mechanisch und blechern, um an anderen Stellen mit sphärischer Leichtigkeit bedrohlich um die Hörorgane zu sausen. Besonders verregnete Nachmittage treffen die Spanne von Stimmungen, die auf „The Killer“ geboten wird. Produzent und Elektro-Fachmann (haha) Shed bringt sein drittes Album heraus und versucht sich an all dem, was ihm in der Elektro-Abteilung (das war das letzte Mal, versprochen) bisher so untergekommen ist. Das reicht von Industrial-Einflüssen bis hin zur guten, alten Lounge. Eine Art Familientreffen, bei welchem irgendwann alle durcheinander reden und man nur noch einen Brei an verschiedenen Ansätzen ausmacht, anstatt das beste der Familienchronik genießen und filtern zu können.

Das sofortige Eingeständnis ist das knapp vierminütige, wabernde „STP3/The Killer“, das gar nicht erst versucht ein Ziel zu erreichen und auch keinen wirklichen Anfang kennt. Dieses Muster will sich zumindest wiedererkennen lassen, wenn „Silent Witness“ und „I Come By Night“ im Stile der Industrial-Szene stanzendes Pochen als Rhythmusgeber und -zerstörer zugleich. Die Loops des Rauschen und der synthetischen Geräuschkulisse scheinen so kurz, dass man nur selten das Gefühl hat, dass die Lieder es schaffen, den Hörer zu transportieren und auf Reise zu schicken. Zwar gibt es Spielereien in „Silent Witness“, doch diese sind eben wirklich nur Spielereien, die den Rhythmus des Liedes in keinerlei Weise mitbestimmen dürfen.

Erst in „Day After“ erlaubt sich der Produzent Abwechslung in seine graue Nachmittagsstimmung zu bringen. Danach entfaltet sich plötzlich ein angenehmer, wenngleich immer noch grauer Soundmantel, der den Liedern das Leben einhaucht, was den vorher abgestumpften Industrial-Anklängen gefehlt hat. Vom mysteriösen „The Praetorian“ zum endlich wirklich tanzbaren „Ride On“ kommt eine Atmosphäre zur Geltung, die im ersten Drittel schlichtweg nicht vorhanden war. Psychedelische Experimente („VIOMF!/The Filler“) zünden mit einem Mal genauso knackig wie die abschließende Lounge-Nummer „Follow The Leader“. Es scheint, als hätte sich Shed im ersten Drittel des Albums erst sortieren müssen, um die anständigen Arrangements auf den Hörer loslassen zu können.

Anspieltipps:

  • Day After
  • Ride On
  • Follow The Leader

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