David Byrne & St. Vincent - Love This Giant - Cover
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David Byrne & St. Vincent Love This Giant


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
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Vor allem altersbedingt überrascht diese Zusammenarbeit der beiden Wahl-New-Yorker.

Mein lieber Scholli. Was Pop alles kann zeigen die für vielerlei Art-Pop-Konstruktionen wohlbekannte Annie Clark, besser bekannt als St. Vincent, und der musikalisch ewig umtriebige David Byrne.

60 und so gut wie 30: vor allem altersbedingt überrascht diese Zusammenarbeit der beiden Wahl-New-Yorker. Doch der Ex-Talking Heads-Vorsteher ist nicht nur bekannt für seine Kollaborationsfreudigkeit oder das Musikgeschichte geschrieben habende Projekt mit Brian Eno aus dem Jahre 1981, „My Life In The Bush Of Ghosts“, dass den Gebrauch analoger Samples mit einführen half; Byrne ist vor allem aktiver New Yorker Protagonist in unzähligen Kulturdisziplinen mit denen er insgesamt ein Hauptziel verfolgt: Unterhaltungs- und Hochkultur miteinander zu versöhnen. Ob mit seinem Label Luaka Bob, mit Projekten wie mit dem brasilianischen Musiker Caetano Veloso, mit Pop-Opern zusammen mit Fatboy Slim, mit Kolumnen in der New York Times, Soundtracks für Filme oder Theatermusik für Robert Wilson, Gastauftritten bei den Simpsons oder Büchern übers Fahrradfahren: David Byrne gibt dem Unterhaltungsgut Pop seinen künstlerischen Anspruch wieder.

Und genau in diesem Schnittpunkt trifft sich das ungleiche Paar, das sich in New York bei einem musikalischen Benefiz für Obdachlose kennenlernte. Denn jenes angesprochene artifizielle Niveau haben auch alle Veröffentlichungen der jungen Dame aus Tulsa, Oklahoma.

Sie müssen sich auf Anhieb blind verstanden und vor allem gespürt haben, dass sie im Songwriting auf einer Wellenlänge liegen. Die konzeptionelle Entscheidung ihr musikalisches Projekt mittels Blechblas-Ensemble umzusetzen jedenfalls ist ein erfrischend unkonventioneller Entschluss. Die Art-Pop-Fanfare schunkelt rhythmisch, unerlässlich und unwiderstehlich auf „Love This Giant“. Tuba und ein Bariton-Saxophon stellen den Bass, Gitarrenschnipsel streuen Melodik, lyrische Spielereien verwirren und faszinieren zugleich, während digitale Beat-Samples die Arrangements vervollständigen. Und an jeder Ecke lauert ein Blechblasinstrument um einen Hüftschwung dem Hörer aus dem Tanzrepertoire zu locken.

Entsprechend rhythmisch geht es allenthalben zu auf „Love This Giant“, es könnte fast ein Tanzalbum sein, wäre nicht sein artifizieller Anspruch und seine unkonventionelle Rhythmik. Schwer hier einzelne Perlen auszumachen, das Album ist in sich äußerst integer und ohne Hochs und Tiefs versehen. „Who“, „Weekend In The Dust“, „Ice Age“, „I Am An Ape“, ach, im Grunde die ganze Platte groovt funky im gekonnten Marsch der cleveren Blasmusik. Wer hätte das gedacht: eingängig, anders, artifiziell, unterhaltsam, und tanzbar grooven sich zwei formidable Pop-Musiker mit Bläsern in einen Spielrausch zu dem man unumwunden sagen kann: yeah!

Anspieltipps:

  • I Am An Ape
  • Who
  • Weekend In The Dust
  • Ice Age
  • I Should Watch TV
  • The One Who Broke Your Heart

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