Imaginary War - Replacing The Ghosts - Cover
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Imaginary War Replacing The Ghosts


  • Label: 7music/New Music Distribution
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Weg war eine Zeitreise in die 80er, das Ziel ist ein vielschichtiger Genre-Hybrid.

Ob nun Alphaville, Ultravox aber auch immer mal wieder Polarkreis 18: So richtig tot waren New Wave, New Romantic oder generell das gesamte musikalische Jahrzehnt der 80er Jahre nie. Zugegeben: Ab und zu haben sie komisch gerochen zwischen den ganzen Modetrends, aber kamen immer wieder hervor gekrochen um sich in den Gehörgängen von (nicht wenigen und auch sehr vielen neuen) Fans fest zu setzen. Bei Imaginary War erwartet man, besonders wenn man ihre erste Single hört, dass sie dem Club solcher Anachronisten beitreten wollen. Ihrer Debütscheibe „Replacing The Ghosts“ setzt – und das ist das schöne an der Sache – ihre eigene nostalgisch-schwelgerische Duftmarke ohne aber ihre eigenen musikalischen Ansprüche dem Konzept unter zu ordnen.

Dass die 80er im Mainstream durchaus wieder angekommen sind, hat die Band nicht erst gestern begriffen. Als Herzensangelegenheit startete Imaginary War als Solo- und Studioprojekt von Sänger Joki Schaller. Erst 2011 wurden seine Ideen letztendlich im Rahmen einer richtigen Band durchgesetzt. Roman Geiselhart an der Gitarre, Axel Kunz an den Drums und Martin Pierzchala an den Maschinen komplettieren das Line-Up.

Musikalisch bietet „Replacing The Ghosts“ ein buntes Potpourri am Who is Who der musikalischen Vielfalt des so geliebten Jahrzehnts. Bereits der Opener und Singlekandidat „The Tide Has Turned“ ist ein Ohrwurm, der den Spirit von diversen Genregrößen in die Gegenwart übertragen kann. Andere auf dem Album verteilte Songs halten das Niveau locker, kommen aber nicht zwangsläufig so beschwingt und fluffig daher. Eine Farce oder doch positive Überraschung? Imaginary War orientieren sich ganz klar an ihren Helden, vermeiden es aber diese aus Notwendigkeit zu kopieren. Eigene Impulse finden sich glücklicherweise zuhauf und machen das Album zu einem sehr vielseitigem und -schichtigem Erlebnis. So sind „Embrace“ und das eingängige „The Great Deal“ zum Beispiel atmosphärische und überaus melancholische Schieler in Richtung Camouflage ab 2003. „Hotel Bizarre“ und „Die Tonight“ dagegen erinnert stellenweise an Visage oder sogar Depeche Mode mit morbid-experimentellem Einschlag. Und bei „Love Overdose“, „Feed Me With Lies“ und „Starless“ ist der Pomp dann endgültig in wabbernden Synthis und lichtundurchlässiger Abgründigkeit versunken. Süßlicher, kommerzieller Synthie-Pop geht anders, Ohrwürmer auch. Industrial- oder Post-Rock-Einflüsse? Aber hallo!

Schaller und seine Jungs hätten es sich tatsächlich so leicht machen können, den Geist der 80er Jahre mit einer rein kommerziellen Absicht einzufangen, um neben dem erneuten Anknüpfen an Glanztaten von Musikern wie Marian Gold eine gute Figur zu machen. Stattdessen ignorieren sie den Rückwärtstrend und machen konsequent ihr Ding. Die ein oder andere alteingesessene Band experimentierte nach ihrem Schaffenszenit bereits mit neuen musikalischen Elementen. Imaginary War fangen da an, wo sich andere Gruppen erst hin entwickeln mussten. Die Idee einer musikalischen Zeitreise bleibt dabei zwar stets im Hinterkopf, „Replacing The Ghosts“ ist suma sumarum aber tatsächlich ein interessantes und komplexes Stück Musik geworden, das definitiv nicht an Anhänger von süßlichem Synthpop gerichtet ist!

Anspieltipps:

  • The Tide Has Turned
  • Embrace
  • Love Overdose
  • The Great Deal
  • Starless

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