Dead Can Dance - Anastasis - Cover
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Dead Can Dance Anastasis


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine überzeugende Rückkehr des Duos: Spielerisch schwebend über weiten Klangfeldern purer Ästhetik.

Bereits die vor einigen Monaten verkündeten, mittlerweile ausverkauften Tourdaten im Oktober deuteten das nahezu Unmögliche an: Lisa Gerrard und Brendan Perry, die seit den frühen Achtzigern mit Dead Can Dance Klassik, Weltmusik und erhabenen Dunkel-Pop vereinten, kehren sechzehn Jahre nach ihrem letzten Studiowerk mit „Anastasis“ zurück. Es ist selbstredend auch eine Reise zurück zu alten Klassikern und ähnlichen Songstrukturen, doch die Eleganz ist frisch renoviert und mit einem beachtlichen Sound voller Tiefe und Dringlichkeit garniert worden. Musikalisch wie eh und je packend voluminös in Szene gesetzt und stimmlich von beiden so unverkennbaren Vocals nicht minder festlich begleitet, hakt „Anastasis“ beim bisherigen Schaffen des Duos ein und erweitert gewohnt selbstbewusst eine Diskographie, die einfach keine Schwächen kennt.

In schwermütige Streicher und hintergründige, doch aufmerksame Bläser gebettet, eröffnet „Children Of The Sun“ majestätisch den Longplayer und lässt Brendans Stimme galant in die schillernde Dunkelheit abgleiten. Eine Dunkelheit, die genügend schemenhafte Farben anbietet, und wohlig in einer Melancholie badet, die der Schlüssel zu wahrhaftigen Traumreisen ist. Asiatisch anmutende Melodien in „Anabasis“ lassen zum ersten Mal in der bisherigen Spieldauer Lisa Gerrards opernhaften Ausdruck in der ganzen Breite ihres Klangvolumens zum Zuge kommen. Das Märchenhafte im Sound von Dead Can Dance steigert sich weiter, über das Lebensfreude versprühende „Agape“ samt orientalischem Schwung, um schließlich bei „Amnesia“ wieder geerdet zu werden. Ein Fluss der Emotionen, welcher fortan nicht mehr aufzuhalten ist und den Hörer mit einschließt in immer tiefer gleitende Eruptionen der Abgründe und deutlich zu vernehmender, sprudelnder Hoffnung.

Dunkle Synthesizer-Fäden nehmen sich ihren Raum genau so wie songdienlich untergeordnete Klassik-Elemente und das weltmusikalische Erbe aus vielen Epochen. Schließlich können auch sich stark ähnelnde Songverläufe („Kiko“) dem Glanz dieser starken Rückkehr nur wenig anhaben. Der Fan kennt sowieso kein Halten mehr und wird „Anastasis“ an den bisherigen Großtaten von Dead Can Dance messen, wohingegen auch der interessiert offene Hörer viel Freude damit haben wird. Gerade die Wechselspiele aus den von Brendan Perry gesungenen Stücken, die tief melancholisch den Boden unter den Füßen festigen und den feierlich ausbrechenden Tracks mit der deutlichen Beteiligung von Lisa Gerrard und ihrer euphorisierenden Strahlkraft bekleiden die Platte langlebig und überaus kernig für die Zukunft gewappnet.

Anspieltipps:

  • Children Of The Sun
  • Agape
  • Amnesia
  • Return Of The She-King

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