Onmyo-Za - Kishibojin - Cover
Große Ansicht

Onmyo-Za Kishibojin


  • Label: Gan Shin/Rough Trade
  • Laufzeit: 60 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Selten vereint eine Band traditionelle Klänge mit aussagekräftigem Metal und erzählt dabei große Mythen so emotional und ausdrucksstark wie Onmyo-Za.

Die japanische Band Onmyo-Za ist in ihrem Genre etwas ganz besonderes. Prinzipiell darf man gepflegten, melodieverliebten Metal erwarten, doch in dieser Band steckt mehr als nur das. Der Bandname – zu Deutsch die Zusammenkunft von Ying und Yang – ist Konzept und zieht sich durch die gesamte Diskographie der Musiker und beginnt schon im Line Up in dem sich Kuronekos klassische Gesangsstimme den harten Gesangs- und Shoutparts von Matatabi entgegensetzt. Zusätzlich orientieren sie sich stark an den alten Traditionen Japans und Chinas, was sich nicht nur optisch, sondern vor allem musikalisch auswirkt. So erzählen die Songs der Band hauptsächlich traditionelle Geschichten und sind dabei auch gerne mit altjapanischem Einfluss verfasst.

Auch „Kishibojin“, der jüngste Silberling der Künstler stellt dabei keine Ausnahme dar. Namensgeberin des Albums ist die buddhistische Göttin Hariti, die als teuflische Muttergöttin bekannt ist. Der Mythologie zufolge hatte die Dämonin Hariti 500 Kinder und neigte dazu die Kinder anderer Mütter zu fressen. Siddhartha Gautama bekehrte die Dämonin jedoch indem er ihr das Leid, das sie anderen Müttern antat, vor Augen führte. Hariti bereute ihr Tun und gilt seitdem als Beschützerin der Kinder und Mütter. Eben jene Geschichte der Greueltaten und der Entwicklung besagter Dämonin verwandeln Onmyo-Za nun in ausdrucksstarke musikalische Kunstwerke.

Dabei ist es auch nicht zwingend notwendig die erzählten Geschichten wörtlich zu verstehen, der Hörer ohne Kenntnisse der japanischen Sprache sollte sich keineswegs abschrecken lassen. Zu ausdrucksstark ist schlichtweg das Gesamtwerk, zu mitreißend die in Melodien und Gesangslinien transportierten Emotionen. So werden Schmerz, Leid und Freude schnell Teil der Musik und damit auch ohne Worte geisterhaft greifbar. Es ist einfach diese Liebe zum Detail, die verzaubert und zeitgleich ins Ohr geht und diesen Wunsch nach mehr auslöst. Ein geisterhaftes Intro („Kumiyoku Kshibojin Shuushuu“), zarte Keyboardlinien („Kumiyoku Kishibojin Shuushuu“, „Kumiyoku Kishibojin Kikoku“ und somit zeitgleich ein harmonischer Rahmen des Gesamtwerks) und beeindruckende Gitarrenriffs („Kumiyoku Kishibojin Samayoi“) gehen auf diesem Silberling Hand in Hand und verschmelzen mühelos zu einem homogenen Gesamtbild, das die Einzigartigkeit der Band immer wieder betont.

Über diesem Klangteppich schweben die abwechslungsreichen Stimmen von Sängerin Kuroneko und Sänger Matatabi mal engelsgleich („Kumiyoku Kishibojin Samayoi“), mal hart („Kumiyoku Kishibojin Namasu“) und vor allem in den weiblichen Gesangslinien immer wieder traditionell japanisch geprägt („Kumiyoku Kishibojin Onikosaeno Uta“). So entsteht eine musikalische Komplexität, an der man sich lang nicht satt hören kann, immer wieder springen kleine Details ins Ohr und begeistern aufs Neue.

Ausgeglichen, abwechslungsreich und schlichtweg verzaubernd – Onmyo-Za haben es einmal mehr geschafft zu begeistern!

Anspieltipps:

  • Kumiyoku Kishibojin Ubugi
  • Kumiyoku Kishibojin Zakuroto Jubaku
  • Kumiyoku Kishibojin Michi
  • Kumiyoku Kishibojin Kourui
  • Kumiyoku Kishibojin Kikoku

Neue Kritiken im Genre „J-Rock“
8/10

Shangri-La
  • 2013    
Diskutiere über „Onmyo-Za“
comments powered by Disqus