Otto  Von Schirach - Supermeng - Cover
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Otto Von Schirach Supermeng


  • Label: Monkeytown/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Otto von Schirach tobt sich im Freigehege der elektronischen Musik so ungestüm aus, dass man nur noch herzhaft lachen kann und selbst beim derbsten Krach Spaß empfindet.

Viele Musiker wollen einen großen Schatten werfen, an welchen sich auch folgende Generationen noch erinnern. Im Fall von Otto von Schirach geht es mehr darum so viele Schatten wie möglich zu werfen. Diese nehmen dabei Gestalten an wie „xD“, „lol“ und „=P“. So tollwütig wie sich von Schirach an seinem Laptop verlustiert und die Ergebnisse von liebestrunkenen Nächten offenbar aus Versehen aufgenommen hat, kann man nicht anders als beherzt lachen. „Supermeng“ (das ganze Album, sowie besonders der Titeltrack) ist bestimmt nicht immer gut, aber dafür unglaublich unterhaltsam und Kopfkino vom Feinsten. Ohren auf!

Zu Beginn möchte man in das gruselige Gesicht Ottos noch hineinschlagen, wenn die Krachkapriolen „Salpica (Miami)“ und „The Blob“ selbiges den Hörerohren angetan haben. Der Ausrutscher „Ultimate Universe“ macht es noch schlimmer, da man vor „The Blob“ damit rechnet, dass von Schirach tatsächlich ein wenig auf echte Instrumente zurückgreifen könnte, wenn er den Indie auspackt. Stattdessen dudelt akustischer Elektro-Porno vor sich hin, der ziellos in bloßem Selbstzweck badet. Musikalisch wird es erst in „Quasar“ anspruchsvoll, wenn Otto von Schirach seine Qualitäten im Dubstep unter Beweis stellt.

Danach ergibt sich das Album endlich dem versprochenen Chaos und die vorher gewürfelten Tracks ergeben ihren (verrückten) Sinn. Ravende Robo-Dinos erscheinen vorm geistigen Auge bei „When Dinosaurs Rule The Earth“ tönt und während „Mind Power“ und „Reptile Brain Wash“ setzt das Gehirn komplett aus und man lässt sich glücklich einweisen. So ein geplantes Durcheinander bekommt man nicht alle Tage in die Gehörgänge gespült und in Verbindung mit Liedtiteln und Soundelementen der frühen Gamer-Generation ergibt sich kein lachhaftes, aber ein äußerst belustigendes Klangbild, welches zu akutem Dauergrinsen animiert. Kann man mehr von Musik verlangen? Man muss sogar! Aber „Supermeng“ (der Titeltrack ergibt sich übrigens peinlichstem White HipHop) ist so herzerweichend meschugge, dass man nicht anders kann als beide Augen zuzudrücken und abzutanzen.

Anspieltipps:

  • When Dinosaurs Rule The Earth
  • Quasar
  • Ultimate Universe

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