Steve Vai - The Story Of Light - Cover
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Steve Vai The Story Of Light


  • Label: Favored Nations
  • Laufzeit: 59 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Steve Vai beweist, wie die eigene musikalische Individualität zum Verhängnis werden kann.

In seiner Jugend sucht jeder nach der eigenen Identität und um dies zu erreichen, wird durch ausgiebige Experimente in alle möglichen Richtungen herausgeschält, was zu einem passt und was nicht. Die Ausbildung der Persönlichkeit tritt bei Gitarristen zwei Mal in Erscheinung, denn neben der eigenen muss auch eine für das liebgewonnene Instrument entwickelt werden. Eine individuelle Note, die mit der eigenen Identität verschmilzt. Im optimalen Fall entsteht ein einzigartiger Stil, das Instrument zu spielen, der sofort wiederzuerkennen ist. Mark Knopfler, David Gilmour, Eddie Van Halen, Brian May oder der junge Derek Trucks haben ganz spezielle eigene Stile entwickelt und auch Steve Vai gehört zu dieser Riege.

Dr. Vai ist ein Virtuose, der das Gitarrenspiel wie kaum ein anderer perfektioniert hat. Sein Können steht außer Frage, aber seine Tricks, seine Harmonien und seine Melodiebögen kennt der Hörer mittlerweile in- und auswendig. So ist das mit der Individualität, irgendwann kann sie zum Verhängnis werden. So wundert es auch gar nicht, dass der Beginn des neuen Albums „The Story Of Light“ einem gleich sehr vertraut vorkommt. Sieben Jahre liegt das letzte Album „Real Illusions: Reflections“ zurück? Kaum zu glauben! In der Zwischenzeit hat sich Steve vor allem mit seinem Orchesterprojekt beschäftigt und einige Touren absolviert, aber die lange Zeitspanne ist dem neuen Werk überhaupt nicht anzuhören.

Einige kleine Überraschungen bietet uns der Hobby-Imker dann doch auf „The Story Of Light“. Zunächst „John The Revelator” mit seiner rotzigen, rockig-bluesigen Art, eine für Vai untypische Nummer, die von Blind Willie Johnson inspiriert wurde. Auch interessant und thematisch verbunden ist das folgende „Book Of The Seven Seals“, das mit einem ganzen Chor richtig nach Soul und Gospel klingt. Erfrischend anders ist das ruhige Duett mit Aimee Mann in „No More Amsterdam“. Von den typischen Vai-Songs ist „Velorum” eine schöne Portion Power, wie wir sie aus den Zeiten des Albums „Alien Love Secrets” kennen, und „Weeping China Doll“ ist ebenfalls ein instrumentales Stück mit großer kompositorischer Fülle, voller Dynamik und schneller Gitarrenlicks.

Es liegt wahrscheinlich in der Natur der Dinge, dass Steve Vai nicht mehr dieses jugendliche Feuer versprüht, seine Kompositionen nicht mehr so unvorhersehbar sind, sondern deutlich mehr nach Harmonie streben. Ein Virtuose, der nichts beweisen muss und daher seine Musik nach anderen Attributen gestaltet, zum Beispiel mit dem Thema der Suche nach Spiritualität. „Die Geschichte des Lichts“ meint natürlich nicht die Entstehung der Sonne oder der Glühbirne, sondern das innere, spirituelle Licht eines Menschen. Gerade deswegen ist es schade, dass sich der Grammy-Gewinner ab und zu regelrecht selbst kopiert. Wenn er schon songorientierter musizieren möchte, dann bitte auch konsequenter.

Anspieltipps:

  • No More Amsterdam
  • Weeping China Doll
  • John The Revelator
  • Velorum

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