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Camera Radiate!


  • Label: Bureau B/INDIGO
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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Guerilla-Krautrock aus Berlin und die Suche nach der Essenz.

Nicht nur Beak> beweisen zur Zeit, wie gut der sogenannte Krautrock ins nicht mehr ganz so neue Jahrtausend gerettet wurde. Aus den Siebzigern durch prägende Bands wie Can und ihrem freigeistigen Aufbrechen von typischen Rock-Standards sowie später durch Tortoise in den Post-Rock überführt, ist es eine Spielart, die in ihren vielen Ausdrucksformen ständige Frische in sich trägt. Das Berliner Trio Camera setzt genau dort an und punktete bereits im Vorfeld zum Debüt „Radiate!“ mit spektakulären Guerilla-Aktionen. So sind sie für Spontankonzerte in U-Bahnhöfen, Fußgängerunterführungen und Herrentoiletten bekannt, schnappen sich ihr minimalistisches Schlagzeug, zwei Verstärker, die Gitarre und das Keyboard, um YouTube mit diesen trotz aller dilettantischen Vorzeichen musikalisch beeindruckenden Aufnahmen zu versorgen.

Entgegen gesetzt zu einem Großteil ihrer musikalischen Verwandtschaft zögern Camera auf ihrem Erstling jedoch keine Sekunde, sondern begeben sich mit dem Opener „E-Go“ auf eine herrliche Stoner Rock-Abfahrt, die die brennende Wüstensonne direkt in die Hauptstadt importiert. Zielgerichtetes Drumming und weite Gitarren-Ausläufer schmücken ein Stück voller Erhabenheit und krachiger Eleganz. „Villon“ widmet sich dagegen dem Blues und zeigt die melancholische Träumerei des Dreiers auf. Schön anzuhören, wie sich der Sound bei „Utopia“ dank elektronischer Auswüchse und atmosphärischer Gitarren-Effekte flächig weitet und in „RFID“ eine fragile Ambient-Kulisse zur Verfügung stellt. Nur zaghaft gesellt sich die Gitarre zu den sehnsüchtigen Synthesizer-Sounds, ehe die Rhythmik zunimmt und Noise das Klangspektrum ergänzt.

Zugegeben, es wabert und trödelt ein wenig ziellos vor sich hin, denn große Wendungen und Überraschungen sind auf „Radiate“ nicht zu finden. Ein toller Beginn ließ mehr erwarten und wird am Ende nur noch von vereinzelten starken Momenten, zum Beispiel im kernigen Bluesrocker „Soldat“, in die Höhe gehoben. So hätte mehr Zugkraft, die ja einige Male wunderbar ausgespielt wird, dem Longplayer eine Extraportion Frische spendiert und mehr als guten Durchschnitt aus dem Debüt gemacht.

Anspieltipps:

  • E-Go
  • Utopia Is
  • RFID
  • Soldat

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