Ensiferum - Unsung Heroes - Cover
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Ensiferum Unsung Heroes


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Schwertarm hoch, Humpen voll, Einhaken nicht vergessen und schon kann das Schunkeln beginnen. Oder doch nicht...?

Die Veröffentlichung eines Albums im Metal kann eine sehr komplizierte Sache sein. Ein Beispiel: Wer möchte schon eine neue Kyuss mit staubtrockenem und von der Sonne zum Schwitzen gebrachten Sound im November kaufen? Und darf unterkühlter Black Metal im Hochsommer erscheinen? Bleibt nur zu hoffen, dass der altehrwürdige, langbärtige Wikinger auf Ensiferums „Unsung Heroes“ unter der Robe nicht den Horror einer nicht enden wollenden Finnensauna erleben muss. Denn auch Viking Metal ist trotz hohem Partypotential (z.B. auf einem Sommerfestival) nicht unbedingt ein Genre, welches man mit der heißen Jahreszeit in Verbindung bringen will. Aber genau so kommt es: Der August bringt nicht nur Sonnenschein und Freibadromantik, sondern auch die vier Helmträger und die Walküre von Ensiferum mit.

Muss das nun zwangsläufig negativ sein? Nicht unbedingt. Eigentlich ist es fast schon egal. Als Hintergrundbeschallung beim Schmöckern eines Fantasyromans (da hat man dann auch den Helm mit Hörnern dran) oder zu einer gepflegten Runde Skyrim (da hat man den Helm und auch noch die Schneewehen) macht man sich die Atmosphäre einfach selbst. Wichtig ist eh, dass Ensiferum mit ihren Songs auf „Unsung Heroes“ bei jeder Temperatur gut ankommen. Die 1995 gegründete finnische Kapelle hat es schließlich seit ihrer Gründung verstanden zu einer der wichtigsten und größten Viking Metal Bands auf dem Erdball zu werden. Ganzjährig. Ob die Hörer nun eher auf das rohe, noch sehr metallische Debüt und den Nachfolger „Iron“ schwören oder man sich eher an den verstärkt auf Folk-, fast sogar Mittelalter Metal, gesetzten Alben „Victory Songs“ oder „From Afar“ erfreut, ist hinsichtlich der Tatsache, dass der Erfolg Ensiferum Recht gibt und die Fangemeinde so oder so expandierte, nebensächlich. Das bisschen Death von früher ist auch auf „Unsung Heroes“ weiterhin eher im Hintergrund, wenn auch nicht ganz so weit wie auf „From Afar“. Hymnen mit starken Melodien und eine Prise Bombast, der eher nach Zuckerguss als Met schmeckt, machen die Musik von Ensiferum erneut herrlich schmissig und sind so für alle Anhänger von Turisas ein Wohlgefallen.

Endgültig vorbei ist also die Zeit von Songs wie „Little Dreamer“ oder „Hero In A Dream“. Das muss aber nicht zwangsläufig schlecht sein. „Unsung Heroes“ beweist erneut, dass Ensiferum in ihrer eigenen Liga spielen. Zudem kann man es nicht bestreiten, dass es sich die Band erlaubt hat die ein oder andere Modifikation in ihrem Sound zu versuchen. Die Songwriting ist stellenweise ungewohnt verschachtelt, beinahe sogar so etwas wie progressiv. Das folkige „Burning Leaves“ mit einem nicht zu verachteten Anteil der späten Amorphis und sogar Nightwish im Bezug auf den Chorgesang, zeugen davon, dass Ensiferum durchaus Akzente setzen können, ohne auf ihren Sound zu verzichten. Melancholischer war diese Gruppe nie! „Passion Proof Power“ ist als Longtrack dann sogar das i-Tüpfelchen, welches jedem Metaler, der diese feine Band schändlicherweise viel zu spät entdeckt haben sollte, zeigt wie der Hase läuft. In knapp 17 Minuten ziehen die Wikinger hier all ihre Qualitäten und Trademarks. Das ist quasi eine quintessenzielle Komposition, die so ziemlich alles abdecken dürfte, was die Finnen jemals gemacht haben. Die Meute darf schunkeln und soll Spaß haben. Aber es lohnt sich ohne Frage solch einen Song als „Grower“ im Gehörgang einen Platz zu bieten.

„In My Sword I Trust“, „Retribution Shall Be Mine“ oder „Pohjola“ heizen dagegen richtig ein, während eine Ballade wie „Celestial Bond“ ein gelungener Ruhepol sein dürfte. Höchst opulent ist aber das komplette Album. Böse Zungen nennen das „Symphonic Epic Hollywood Metal“ mit Wikingerthematik, Fans nennen es genial. Recht haben beide Seiten. Aber nur mal nebenbei: So etwas ist höchst mitreißend und ein Garant für Ohrwürmer. Mit einem starken Output wie „Unsung Heroes“ begeistern Ensiferum selbstverständlich auch im Sommer. Nur mal so nebenbei und wenn es dazu noch immer Zweifel geben sollte.

Anspieltipps:

  • Burning Leaves
  • Celestial Bond
  • Pohjola
  • Passion Proof Power

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