Grave - Endless Procession Of Souls - Cover
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Grave Endless Procession Of Souls


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Alte Schule statt Frischzellenkur: Grave müssen sich auf ihrem neuesten Werk nicht einmal im Grab umdrehen.

Vor mehr als 25 Jahren haben sich ein paar Kadaver aus ihrer Leichenstarre befreit und begonnen, von ihrer Ruhestätte aus dem Death Metal zu huldigen. Possessed, Death, Deicide und Obituary wüteten zu dieser Zeit bereits mit herausragendem Material in der Szene, doch Grave legten erst 1991 mit ihrem Debüt „Into The Grave“ (08/1991) so richtig los und sackten im Vorbeigehen einen Deal mit dem zu dieser Zeit aufstrebenden Label Century Media ein. 2012, nach einer kurzen Phase bei den nicht mehr existenten Regain Records („Dominion VIII“ (04/2008) und „Burial Ground“ (06/2010) sind zu dieser Zeit entstanden), kehren Ola Lindgren (Gesang, Gitarre), Mika Lagrén (Gitarre), Tobias Cristiansson (Bass) und Ronnie Bergerstahl (Schlagzeug) nun in die Heimat zurück und prügeln den Fans mit „Endless Procession Of Souls“ ihr zehntes Langeisen um die Ohren.

Geändert hat sich im Vierteljahrhundert seit der Gründung allerdings recht wenig und der Vierer jagt als gut erhaltenes Death Metal-Flaggschiff mit stattlichen Grooves („Disembodied steps“) und apokalyptischen Szenarien („Encountering the divine“, „Plague of nations“) stets dynamisch und abwechslungsreich durch die Botanik (diesjähriges Aushängeschild ist sicherlich das beinahe 8 Minuten lange „Epos“), vergisst dabei aber ebenfalls nicht über den Tellerrand zu blicken und ein paar dezente Doom- („Amongst marble and the dead“) und Thrashausflüge zu organisieren („Passion of the weak“, „Perimortem“). Der einzige Nachteil inmitten des blutigen Schlachtbanketts: Neu oder innovativ ist das schon lange nicht mehr und um ganz oben mitspielen zu wollen, genügt es 2012 nicht, ein paar herausragende Riffs abzuliefern, die mit Schleudertraumaeffizienz A+ um die Ecke schnalzen („Perimortem“), denn in dieser Form spielt beinahe jede frisch gegründete Friedhofskapelle.

Kaum verwunderlich ist es daher, dass ein dunkles Gebräu wie „Flesh epistle“ und ein im 4/4-Takt galoppierendes Ungetüm wie „Winds of chains“ zwar ordentlich die Nackenmuskulatur massieren, man sich aber nach 3:24 bzw. 5:38 Minuten bereits die nächste Entspannung andernorts holt, anstatt die Replay-Taste zu drücken. „Endless Procession Of Souls“ ist beileibe kein schlechtes Album, ein Rückschritt oder etwa ein Griff ins Klo. Der zehnte Output des schwedischen Todesbleikommandos ist einfach eine bodenständige, nach alter Schule zusammengezimmerte Schlachtbank, die keinen Fan enttäuschen wird, aber im gleichen Zug auch nicht dazu geschaffen ist, neue Schäfchen zu rekrutieren.

Anspieltipps:

  • Epos
  • Perimortem
  • Disembodied Steps

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