Bill Fay - Life Is People - Cover
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Bill Fay Life Is People


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Intim-poetisch und opulent-kosmisch. Bill Fay schreibt Songs als stimmige Klanggemälde. Ein spätes Meisterwerk!

„Ich kann mich an keinen Musiker erinnern, dessen Alben mir jemals mehr bedeutet hätten.” So wird Jeff Tweedy von Wilco zitiert, gemünzt auf den englischen Singer / Songwriter Bill Fay, der 1970 und 1971 die legendären Langspielplatten „Bill Fay“ und „Time Of The Last Persecution“ veröffentlicht hatte. 2005 folgte dann „Tomorrow, Tomorrow And Tomorrow“, das „lost album“ aus den 1970ern. Außerdem wurden Demos und Home Recordings herausgebracht und Jeff Tweedy ermunterte Fay 2007 in London wieder auf die Bühne zu gehen.

„Life Is People“ ist nun das dritte reguläre Studioalbum des Briten, das zwar partiell auf altem Material basiert, dennoch völlig neu eingespielt wurde. Neben Fays alten Weggefährten Ray Russell und Alan Rushton holte er sich namhafte Musiker wie Matt Deighton, Tim Weller und Mikey Rowe ins Studio. Hinzu kamen Streicher und ein Gospelchor, die Bill Fays neuem Album ausgezeichnet zu Gesicht stehen.

Den Auftakt nimmt Bill Fay mit dem nach Hoffnung auf eine bessere Welt sehnende „There Is A Valley“, das ohne falschen Pathos auskommt, vielmehr erschafft er ein erstes poetisches Songgemälde. Bedrohlich und doch milde malt der „Big Painter“ seine Klänge, flankiert von mystischen Chorstimmen, dazu erzählt Fay mit gedämpfter Stimme über dunklen Synthieschwaden. Pure Pianopoesie (plus schwermütiges Cello) vermittelt „The Never Ending Happening“ und auf dem optimistisch-wogenden „This World“ wirkt der oben zitierte Jeff Tweedy mit. Dagegen hängt „The Healing Day“ den Himmel voller Geigen und „City Of Dreams“ schleicht als kosmischer Cool-Jazz ins Ohr.

Auch die zweite Hälfte des Albums wird mit den beschriebenen Zutaten ausgeleuchtet. Zwischen poetisch-intim und opulent-kosmisch schwanken die Songs, die mehr Klanggemälde als Lieder sind, wobei das Songwriting bei einem wie Bill Fay naturgemäß nicht zu kurz kommt. Seine Stimme hat eine zurückgenommene Ausdruckskraft, mit der er seinen Texten die stimmige Nachhaltigkeit verabreicht. „Life Is People“ erinnert zudem an das Spätwerk („Lulled By The Moonlight“, „Stories From The Silver Moon Cafe“ und “A Long Road Home”) des großen Mickey Newbury! Bedarf es noch mehr Komplimente? – Eines noch: Wie Bill Fay die Fallen des esoterischen Kitsches nimmt, ist beeindruckend. Wann zuletzt waren Songtitel wie „Be At Peace With Yourself“, „Jesus etc.“ oder „Cosmic Concerto (Life Is People)“ so nahe an der poetischen Wahrheit und dermaßen weit entfernt vom falschen Pathos?

Anspieltipps:

  • The Never Ending Happening
  • The Healing Day
  • Thank You Lord
  • Cosmic Concerto

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