Royal Street Orchestra - Visible At Given Temperature - Cover
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Royal Street Orchestra Visible At Given Temperature


  • Label: Hazelwood/Rough Trade
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit Respekt und Ironie Orient und Klubmusik zusammengedacht.

Wuppertal? Steh da nicht eine berühmte Herrenboutique? Neuerdings werden in der „Großstadt im Grünen“ Kamele über den Beton getrieben. Ein königliches Straßenorchester übernimmt hierfür die Verantwortung. Die Homepage und das Coverartwork vom Debüt „Visible At Given Temperature“ von der Wuppertaler Band Royal Street Orchestra, spielt mit dem Klischee, der Schönheit und den zweihöckerigen Tieren des Orients nicht nur optisch, sondern bannt auch die Klänge aus Tausendundeiner Nacht – in Verbindung mit modernere Klubmusik – auf Tonträger. Neun Musiker plus DJ Mahmut (Samples und Turntables) waren zu Gange, um neun Tracks einzuspielen, die von den altbekannten Hazelwood-Produzenten Two Horses und Kaneoka One abgemischt und produziert wurden. Die Knöpfchendreher waren geradezu prädestiniert dem Album den letzten Feinschliff zu verpassen, der Zufall – oder war es Schicksal – ließ die beiden Parteien aufeinandertreffen.

Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen. Der Titel des Auftaktsongs ist konsequenter Weise „Alley Camel Riot“, ein Wüsten-Dance-Song mit schnarrender Violine, zirpendem Saitenspiel von Oud und Bouzouki, analogen und digitalen Beats, Tempi-Wechseln und einem zwinkernden Auge. Die „Hydra“ treibt mit galoppierender Perkussion voran, dazu flirren die Streichinstrumente und treffen schließlich orientalische Folklore namens „Hicra Mandari“, wo das Akkordeon mit den Percussions tanzt.

Der Titel „Final Sunrise“ strahlt vom Horizont in den tiefblauen Wüstenhimmel, eine nervöse Violine kreist um den Rhythmus und die orientalischen Stimmen. Auf „In Flight“ scheinen sich die Instrumente gegenseitig zu verschlingen, es pocht und klappert, eine weibliche Stimme verschafft sich wiederholt Gehör und unversehens sind wir beim nächsten Track namens „Pargar Kolo“, der mit französischer Stimme und Akkordeon beschwingt gen „Opium Den“ reitet. Dem monoton-geheimnisvollen „One More Traveller“ folgt der letzte Streich des Royal Street Orchestras: „Karagör“ zaubert ein letztes Mal den Mix aus Orient und Klubmusik mit einem zwinkernden und einem lachenden Auge.

Lobenswert, dass die Band versucht neue Wege zu bestreiten und dies auf unverkrampfte Art und Weise. Wohin die Reise der Wuppertaler hingeht, scheinen sie selbst noch nicht so genau zu wissen. Auf ihrem Debüt gehen sie mit Respekt und Ironie an den Orient heran und ziehen ihn in ihren modernen Kosmos. Als Zuhörer fühlt man sich unterhalten, erinnert sich an die deutschen Weltmusiker Embryo, an „Rockin‘ The Cashbah“ von The Clash, alles in unsere digitale Gegenwart gebeamt, aufbereitet von einer augenzwinkernden Fata Morgana namens Royal Street Orchestra aus Wuppertal.

Anspieltipps:

  • Alley Camel Riot
  • Final Sunrise
  • In Flight
  • One More Traveller

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