Threshold - March Of Progress - Cover
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Threshold March Of Progress


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 69 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück.

Wenn es eine Band im Progressiven Metal versteht ihr Material komplex zu gestalten, dabei aber stets den Anschein wahren kann, dass das Gehörte locker und fluffig im Ohr kleben bleibt, dann zweifelsohne die Briten von Threshold. Man muss kein alter Hase oder Kenner dieser sehr feinen Gruppe sein, um ihre Songs trotz aller Verschachtelung und instrumentaler Exzesse zu kapieren. Zugegeben, das war nicht immer so. Vor ihrem 1998er Album „Clone“ roch die Prog Metal Kombo noch verdächtig nach Dream Theater, bis schließlich mit Frontmann Andrew „Mac" McDermott nicht nur eine Ablöse für Damian Wilson (Ayreon, Star One) gefunden wurde, sondern auch der Sound eben mit progressiven Arrangements und grandiosem Songwriting, stellenweise sogar deutlich mit Hymnencharakter, eine für das Genre fast einzigartige Ballance entwickeln konnte. Während Symphony X oder Vanden Plas natürlich eine ähnliche Richtung einschlagen bzw. eingeschlagen haben, so war es doch Threshold, die dabei stets homogen klingen konnten.

Nach Alben wie „Critical Mass“, „Dead Reckoning“, dem Fanliebling „Hypotheitcal“ sowie ihrem absoluten Zenit „Subsurface“ war Sänger Mac nicht nur voll integriert und von Fans respektiert, sondern mit seiner markanten Stimme auch ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Gleichung Thresholds. 2011, vier Jahre nach seinem Bandausstieg, verstarb er an Nierenversagen. Deshalb ein verspätetes R.I.P.!

Wie also weiter machen, wenn man den Sänger gefunden hat, mit dem man seine besten und auch kommerziell erfolgreichsten Alben aufgenommen hat? Threshold wissen zum Glück die Antwort. Schon früh holte man sich Damian Wilson zurück, der die extrem ungewöhnliche und seltene Position eines Vorgängers und Nachfolgers zum zweiten Mal einnimmt. Als ursprünglicher Sänger der Band verabschiedete er sich vor dem 1994er Album „Psychedelicatessen“ bereits ein Mal um Nachfolger Glynn Morgan Platz zu machen, der schließlich wieder Wilson weichen musste, welcher nach kürzester Zeit abermals aus der Band ging und von Mac abgelöst wurde. Das Bandkarussell dreht also sich in atemberaubender Geschwindigkeit und es bleibt zumindest fraglich, ob der Rest der Band hinsichtlich Damian Wilson nicht eh ein gebranntes Kind ist.

Umso ironischer ist es, dass Wilsons „drittes Debüt“ großspurig „March Of Progress“ getauft wurde. Immerhin versuchen Threshold nicht ihre vorherigen Alben zu kopieren und ihrem Sänger Songs aufzudrücken, die nicht zu ihm passen. Deshalb ist ein kleiner aber definitiv präsenter Einschlag der ersten Phase mit Damian Wilson auf dem mit knapp 70 Minuten ziemlich langen „March Of Progress“ nicht nur ein Mal zu hören. Fans der Vorgänger müssen aber nicht zwangsläufig auf den liebgewonnen melodischen Stil verzichten. Schon der Opener „Ashes“ ist eine Hymne, wie sie nur Threshold schreiben können und im Vergleich zum noch folgenden Material wohl der eine Song, bei dem man sich am ehesten die Idee, dass die Band für einen ganz anderen Sänger komponiert haben könnte, rekonstruieren kann. In ähnliche Kerben schlagen auch die großartige Ballade „That's Why We Came“, „The Return Of The Thought Police“, „Don't Look Down“, ein Progger mit deutlichem AOR-Einfluss sowie stellenweise der abschließende Longtrack „The Rubicon“, welcher mit einer ordentlichen Scheibe Bombast ganz im Stil von Songs wie „The Art Of Reason“ oder „The Ravages Of Time“ komplett überzeugt.

Der Rest des Materials ist nach der längeren Phase mit Sänger Mac erstaunlich unzugänglich (natürlich in der gewissen Relation zu anderen Prog Metal Acts) und orientiert sich wie erwähnt stark an der Frühphase der Band. Der Mittelteil in Form von „Liberty Complacency Dependency”, „Colophon” und „The Hours” ist das progressivste, was Threshold seit langem geschrieben haben. Solche Songs gehören klar zur Riege der sogenannten „Grower” und lassen trotz einigen Ansätzen leider ein wenig das Schmissige vermissen. Es sind solch eher weniger elegante Momente, die dafür sorgen, dass an so manches Album mit Mac am Mikro nicht angeschlossen werden kann. Das macht „March Of Progress“ aber nicht direkt schwach. Ganz im Gegenteil! Die Band macht das einzig Sinnvolle, vermeidet die ein oder andere Wiederholung und versucht die zwei prominentesten Seiten ihre Historie auf einen Nenner zu bringen. Für ihren Fortschritt brauchen die Engländer zuerst einen Rückschritt, um dem Titel „March Of Progress“ gerecht zu werden. Das muss und wird nicht allen Fans gefallen. Aber im Großen und Ganzen hören sich Threshold immer noch nach Threshold an, egal an welche Schaffensperiode jener Gruppe man da auch denken mag. Also: Bühne frei für die neuen alten Threshold!

Anspieltipps:

  • Ashes
  • Return Of The Thought Police
  • That's Why We Came
  • The Rubicon

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