Rainbow - Das Hörbuch - Cover
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Rainbow Das Hörbuch


  • Label: Rockhörbuch/Rough Trade
  • Laufzeit: 204 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Geschichte von Ritchie Blackmores stilprägender Band wird auf drei CDs thematisiert.

Nach dem ordentlichen „Der stählerne Weg von Judas Priest“ und dem eher durchwachsenen „Lemmy – Das Hörbuch“ ist Rainbow als nächstes im Kanon der Rockhörbuch-Serie dran. Eine logische Konsequenz, wenn man sich vor Augen hält, welch großen Einfluss die Band um Ritchie Blackmore auf den heutigen Metal hatte und hat. Auf gleich drei Tonträgern bekommt man die abgeschlossene Geschichte einer Band geboten, die zu keiner Zeit eine Konstante hatte und die wohl ewig als Blackmores Trotzreaktion auf die Beschneidung seiner künstlerischen Freiheit in Deep Purple in die Annalen der Rockgeschichte eingehen wird.

Von 1974 bis in die späten 90er-Jahre werden alle Höhen und Tiefen der Gruppe abgehandelt. Ob nun riesige, teure Regenbogengestelle auf der Bühne, Dios ersten und zurecht legendären Versuche in einer „großen“ Band, Stilwechsel zugunsten einer kommerziellen Ausrichtung oder Blackmores nicht nur einmal erwähnte Megalomanie: „Rainbow – Das Hörbuch“ lebt von den Aufs und Abs einer Band, die in Kennerkreisen einen Kult – und Vorreiterstatus besitzt, aber ansonsten kaum noch eine Rolle spielt. Basierend auf der bislang einzigen Biographie Rainbow - Zwischen Genie und Wahnsinn des kanadischen Bestsellerautors Martin Popoff, kommen dabei auch viele Musiker und Zeitgenossen mit O-Ton-Interviews nicht zu kurz. Das macht die Rockhörbuch Adaption seines Romans besonders für Fans ungemein interessant.

Die größten Kritikpunkte an den Rockhörbuch Veröffentlichungen, waren seit jeher die Unfähigkeit der Leser die englische Sprache zum Beispiel bei Song- und Albentiteln, aber auch Namen und Genrebezeichnungen richtig auszusprechen. Bei „Rainbow – Das Hörbuch“ kann da zumindest in Ansätzen Entwarnung gegeben werden. Ian Gillan (ja, ja, immer diese Ians) wird nur ein einziges Mal zum „Ei-jän“ und die einzige Band, die dieses Mal ihr Fett wegkriegt, ist Jethro Tull (ohne Ian Anderson auch nur erwähnt zu haben), welche dank eines „Jeethros“ zum leicht säuerlichem Aufstoßen reizt. Leser Frank Schnütgen macht das mit dem Englisch ganz okay, wenn auch noch lange nicht perfekt. Ein „Down To Örss“ ist jedenfalls leichter zu verschmerzen als ein falsch ausgesprochener Name. Ironischerweise fehlt bei ihm das, was bei Hans Peter Katzenburg gut klappte und bei Hans Mörsch zumindest noch in Ansätzen funktionierte. Die Rede ist natürlich von einer klaren, deutlichen Stimme und dem Vermögen das Gelesene auch mehr oder weniger seriös zu verkaufen. Schnütgen gibt sich sicherlich Mühe und spielt mit seiner Stimme und den Betonungen auch so, dass das Endergebnis interessant werden soll, scheitert aufgrund Dilletantismus aber daran.

Dilletantismus muss nicht immer sofort etwas schlechtes sein. Nicht jeder Mensch liest wie ein Synchronsprecher oder Schauspieler und muss das auch gar nicht. Aber letztendlich springt das letzte Fünkchen einfach nicht über. Die ch-sch-„Schwäche“ ist auch nicht wirklich charmant und hat auf der Vertonung einer Bandbiographie, die nicht aus dem Rhein- oder Saarland kommt, nichts zu suchen. Ein weiteres Manko findet sich in der Aufmachung der Kapitel. Diese sprengen schon mal gerne die Grenze von 20 Minuten. Das ist an und für sich kein Problem, allerdings merkt man deutlich wenn Schnütgen an- und absetzt. Seine Stimme, seine Betonung sowie die Tonhöhen variieren teilweise drastisch. Auch innerhalb der Kapitel und verstärkt auf der dritten CD. Wären da kürzere Tracks nicht doch sinnvoller gewesen?

Es ist schade, dass „Rainbow – Das Hörbuch“ am Ende unter seinen Schwächen so sehr zu leiden hat. Die Ansätze sind wirklich gut und mit einer quasi einzigartigen schriftlichen Vorlage auch relevant genug, um überhaupt vertont zu werden. Otto Normal wird sich aber an der Vertonung stören. Und die ist nun mal das Herz und die Seele jedes Hörbuchs. Fans von Rainbow, die über die genannten Defizite hinwegsehen können, finden dennoch ein überaus interessantes Werk, das sich trotz allem lohnt.

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