Black Burn - The Invocation - Cover
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Black Burn The Invocation


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 34 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Picobello Teutonen-Thrash aus dem Lehrbuch der alten Schule und darüber hinaus. Für Kenner und Liebhaber.

Der gemeine Metaller, sei er nun in den 80er-Jahren groß geworden oder auch nicht, sollte von Black Burn nicht auch nur ein Sterbenswörtchen gehört haben. Nun, man kann es ihm nicht verübeln, denn die Band um Jörg Franke (Skylla, Tantalos, Ballantinez) ist nie über die Veröffentlichung einer Demo herausgekommen und stellte selbst im damals ausgeprägten Thrash-Untergrund lediglich eine Randerscheinung dar. Warum Black Burn niemals die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie sicherlich verdient hätten, lässt sich dabei nur vermuten. Vielleicht liegt es daran, dass Black Burn von Anfang an nur ein Studioprojekt war, dessen Songs sich aus Demoversionen der jeweiligen Bands damaliger Mitglieder zusammen setzte. Oder der Grund ist, dass das Material von „The Invocation“ seiner Zeit klar voraus war. Wie dem auch sei: Aufgrund der Tatsache, dass die Musiker aufhörten bevor es auch wirklich losging, lässt jegliche Vorahnungen einer großen Karriere oder zumindest einer Stilprägung zu bloßer Spekulation verkommen.

Letztendlich stammen die sechs Kompositionen alle aus den Anfangstagen der 80er. Während Thrash Metal seine jeweiligen Epizentren langsam aber sicher erschütterte, Death und Black sich so langsam herauskristallisierten, waren es Black Burn, die früh versuchten einen Gesamtüberblick über die damals noch jungen Subgenres zu schaffen. So ist „The Invocation“, als Demo im Jahre 1986 erschienen, ein frühes und bisher kaum bekanntes Dokument über die erste Welle kreativer Höhenflüge im metallischen Sektor. Das in West-Berlin beheimatete Projekt droht mit erhobener Faust und der für die Zeit üblichen Härte und Rohheit. „The World Is An Immeasurable War“ oder „Dr. Vollin“ sind brachiale Nackenquäler, die heute mindestens genauso gut funktionieren wie früher. „Skylla“ als Opener erinnert klar an Mercyful Fate und mischt eine Prise Doom unter den Thrash-Brei. „Necrophile“ dagegen thrasht sich wieder erbarmungslos in die Hörmuschel. Interessant an diesem Stück ist, dass sich sowohl musikalisch als auch ohne Frage lyrisch Slayer ihre Inspiration für den Song „Necrophiliac“ auf dem Klassiker „Reign In Blood“ geholt haben. Das untermauert nur die Vorreiterposition, die Black Burn zaghaft ankündigten, jedoch nie einnehmen konnten. Heute kann so etwas jede zweite Band machen. Man bedenke aber, dass das früher ein absolutes Novum war!

Als Wiederveröffentlichung, und das 27 Jahre nach dem eigentlichen Release, ist „The Invocation“ ein gefundenes Fressen für Old School Thrasher und Metal-Historiker. Es ist erstaunlich, dass die fünf Rüpel ihrer Zeit so weit voraus waren. Während andere Bands wie Venom, Bathory oder Death schnell ihre Grenzen überwinden konnten und stilprägend waren, saßen Black Burn wohl in der Ecke eines schäbigen Clubs und lachten sich ins Fäustchen. Man hat es unweigerlich mit einer Band zu tun, bei der sich die alte „Was wäre wenn“-Frage stellt. Was wäre nach „The Invocation“ gekommen und wie sehr hätten die Musiker ihre Duftmarke in der Szene setzen können? Die Antwort wird man nie erfahren. Sechs schmucke Metal-Kleinode zwischen klassischem Thrash aus Deutschland sowie zahlreichen Ideen darüber hinaus bleiben. Und kommen zu später, aber verdienter Ehre!

Anspieltipps:

  • Skylla
  • The World Is An Immeasurable War
  • Necrophile

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