Greenshape - Storyteller - Cover
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Greenshape Storyteller


  • Label: Sober & Gentle/ALIVE
  • Laufzeit: 34 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein französischer Boxer wird alkohol- und drogenabhängig, um letztlich umwerfend gute Songs zu schreiben.

Nur wenige Informationen kursieren im weltweiten Netz über den Singer/Songwriter, der unter dem Namen Greenshape sein Debütalbum „Storytelling“ veröffentlicht hat. Sein richtiger Name scheint Regis Israel zu sein und sein Alter wird mit 30 angegeben. Bereits im Alter von acht Jahren kniete er vor den Lautsprechern und lauschte den Beatles, was zum ersten KO seines Lebens führte. Nach der Scheidung seiner Eltern entdeckte er Led Zeppelin und Johnny Cash, in der Pubertät die Seattle Szene um Kurt Cobain. Eine Gitarre aus dem Supermarkt war für ihn wie ein Geschenk des Himmels und in Bälde zog er von zu Hause aus, um der neue Johnny Cash zu werden. Diesem eiferte jedoch zunächst Greenshapes Vater nach, der wegen Schüssen auf seine damalige Ehefrau im Gefängnis landete. Der Sohn machte es nicht viel besser, verfiel dem Alkohol und Drogen.

Seinen zweiten KO erlitt er in einem wirklichen Boxring, Faustschläge ins Gesicht scheinen seine Rettung aus dem Drogensumpf. Tatsächlich errang er Titel in der französischen Boxszene, musste jedoch das Boxen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Der Griff zur Gitarre trat wieder in den Vordergrund. Im Pariser Club „Pop In“ entdeckte ihn Stephane Gille, der bereits Acts wie Cocoon, HeyHeyMyMy und Kid Bombardos für sein Label Sober & Gentle unter Vertrag genommen hatte. Gille nahm ihn mit nach Austin, Texas und schickte ihn anschließend nach Malmö, wo Greenshape mit Tore Johansson (Franz Ferdinand, Cardigansusw.) das vorliegende „Storyteller“ aufnahm.

Zudem waren einige andere namhafte schwedische Musiker mit im Studio. Produziert und abgemischt wurde das Album vom erwähnten Tore Johansson, der außerdem in die Saiten von Bass, E-Gitarre und Banjo griff. Keyboards, Streicher, Schlagzeug und Harmoniestimmen vervollständigen das Klangbild. Greenshape selbst sang und spielte akustische Gitarre.

Der Auftakt- ist gleichzeitig Titelsong und ein Stück Musik, das sofort unter die Haut kriecht. Mit einer aus Seelentiefen hauchenden Singstimme, die einem direkt ins Ohr zu flüstern scheint, versetzt Greenshape die inneren Saiten des Zuhörers in Schwingung und bringt die Nackenhaare in Stellung. Die in weiten Melodiebögen ziehenden dunklen Streicherarrangements tun ein Übriges. Wer Ohren und nur ein bisschen Feingefühl hat, wird diesen Song nie wieder vergessen. Auch die anderen Songs zielen in die gleiche Richtung und sind kaum schlechter. Hin und wieder verzaubert eine weibliche Harmoniestimme und immer wieder zeichnen die Streicherarrangements (Martin Gjerstad) melancholische oder schwermütige Wolken ins Klangbild, das jedoch auch lichte Momente wie auf „Feel Better“ erfährt.

Greenshape hat eine Großtat vollbracht, die nur marginal mit seiner Herkunft in Verbindung steht. Typischen French-Pop sucht man vergebens, vielmehr erinnert er an schwedische Singer/Songwriter wie Björn Kleinhenz oder Christian Kjellvander und in manchen Momenten drängt sich der Nick Drake Vergleich förmlich auf. Möge er Alkohol, Drogen und dem Boxring fern bleiben und weiterhin so umwerfend gute Songs schreiben.

Anspieltipps:

  • Storyteller
  • Seed And Sand
  • Pound After Pound
  • Chloe’s House
  • Please

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