Marillion - Sounds That Can´t Be Made - Cover
Große Ansicht

Marillion Sounds That Can´t Be Made


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 75 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Allen anfänglichen Widerständen zum Trotz erschaffen Marillion ein klasse Album, abwechslungsreich, atmosphärisch, durchdacht und gut produziert.

Schreibblockaden und andere Problemchen haben Marillion in letzter Zeit etwas zurückgeworfen und die Arbeiten an neuem Material erschwert. Wie so oft in solch schwierigen Situation müssen neue Ansatzpunkte gefunden werden, die wiederum gewinnbringende Lösungen mit sich ziehen können. Im Falle von „Sounds That Can‘t Be Made“, dem 13ten Studioalbum der Hogarth-Ära, war das trotz vieler Bekundungen der Musiker nicht unbedingt abzusehen. Immerhin überschlagen sich Musiker allgemein gerne mit Superlativen in Bezug auf ihre neuesten Veröffentlichungen.

In den letzten Jahren waren Marillion keine Freunde von langen Songs. Präteritum (!), denn das erste Mal seit „Marbles“ befinden sich auf einem Album wieder mehrere Longtracks. Für jeden Prog-Rocker sind diese auf ganz natürliche Art und Weise die zentralen Herzstücke eines Albums, die Quintessenz der musikalischen Aussagekraft. Folgen wir also diesem Automatismus der Gattung Prog-Rocker und betrachten zunächst die drei Ü10-Songs, die an Anfang, Mitte und Ende des neuen Albums gesetzt wurden.

Das eröffnende „Gaza“ ist das überraschendste Stück des Albums, bei dem Marillion teilweise kaum wieder zu erkennen sind, weil sie ein ganz bestimmtes Ziel verfolgen, die Vertonung der Probleme in der Gaza-Region mit all den Gefahren, Gewaltausbrüchen, mit der Anspannung, der Ungewissheit und der Angst der dort lebenden Menschen. Klänge, die nicht gemacht werden können und doch haben es die Engländer geschafft mit abrupten Wechseln und regelrechten Hard-Rock-Einsätzen ein über 17 Minuten spannenden Song zu komponieren, der die Zerrissenheit der Region überzeugend darstellt. Dieser Song alleine lässt das Album lebhafter erscheinen als seine direkten Vorgänger.

Im mittleren Teil des Albums thront „Montréal“, ein ganz anderes Kaliber, immer wieder sehr behäbig in seiner Art und sich langsam weiter entwickelnd. Hogarth hat in diesem Stück Texte aus seinem Tagebuch verarbeitet, was an der einfachen direkten Art auch deutlich zu erkennen ist. Zusammen mit der Musik wirkt das Stück wie ein trauriges Heimweh, Etappen des emotionalen Aufblühens folgen immer wieder eher depressive Phasen. Der Sänger setzt sich hier mit seiner Psyche auseinander, eine mentale Analyse von und mit „H“. Für die einen der absolute Kitsch, für die anderen eine sehr schöne Ballade, die Rede ist vom Schlusspunkt des Albums, „The Sky Above The Rain“. Mit dezenten Streichinstrumenten untermalt kullert hier eine Träne nach der anderen.

Damit hätten wir gerade mal die langen Stücke abgearbeitet. Die kurzen sind ebenfalls sehr abwechslungsreich und bieten immer wieder andere Akzente. Jeder Musiker hat seine Momente, in denen er wenigstens kurz in den Vordergrund rückt, beispielhaft Pete mit seinem Bass in „Power“ oder Mark bei dem fast schon nach 80er klingendem und mit Keyboards erfülltem „Sounds That Can‘t Be Made“. Rothery beweist einmal mehr seine Klasse an der Gitarre (zusammen mit David Gilmour in einer Liga) und steuert immer wieder gefühlvolle Soli bei. Das Akustikalbum „Less Is More“ hat, was man auch erwarten konnte, Spuren hinterlassen, denn hier und da lassen sich Glockenspiele und andere kleine Akustikinstrumente ausmachen, die erst nach und nach ins Bewusstsein des Hörers dringen.

Allen Widerständen zum Trotz haben es Marillion wieder einmal geschafft ein klasse Album abzuliefern. Ein langes Stück Musik, das gar nicht so lange schön gehört werden muss. Phasenweise proggig und phasenweise poppig, mal modern und dann wieder doch klassisch neo, irgendwie ist alles dabei und nie schwingt das pendelt zu stark in eine Richtung, denn die umgebende typische Atmosphäre wirkt wie eine Dämpfung. Nichts wirkt hier aufgesetzt, nichts erzwungen, dafür sehr bedacht und gut produziert, so soll es sein.

Anspieltipps:

  • Gaza
  • Sounds That Can‘t Be Made
  • The Sky Above The Rain

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
8/10

Reap The Storm
  • 2017    
Diskutiere über „Marillion“
comments powered by Disqus