Woven Hand - The Laughing Stalk - Cover
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Woven Hand The Laughing Stalk


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Spannungsgeladen und wuchtig. Feuer und Licht. Härte und Dunkelheit. Wovenhand in Höchstform!

Mussten Wovenhand „Live At Roepaen” veröffentlichen um die Urgewalt ihrer Konzerte auch im Studio zu verwirklichen? Die Beantwortung dieser Frage verliert an Interesse angesichts der Wucht, mit der Wovenhands nagelneues Album auf Körper und Geist des Zuhörers trifft. „The Laughing Stalk“ ist sowohl physische als auch psychische Erfahrung. Mastermind David Eugene Edwards ist ein unermüdlicher kreativer Geist, ein Sänger, der Spirit und Klang aus den Stimmen von Jim Morrison, Ian Curtis und Jeffrey Lee Pierce zu ziehen scheint und sie in seinen Stimmbändern zu seiner ureigenen filtert. Er ist ein Schamane, ein Häuptling und ein Prediger. Er ist Gesegneter und Verfluchter zugleich. Und er ist mehr denn je ein Getriebener, wie sonst hätte er und seine Mannen ein solches Album einspielen können.

Es scheint so als seien Wovenhand an jenem Punkt ihrer Karriere, den 16 Horsepower zwischen 2000 und 2002 erreicht hatten, nachzuhören auf „Secret South“, „Folklore“ und „Live: March 2001“. Damals hatte David Eugene Edwards seine Pferdestärken zu Höchstleistungen angetrieben, dies hatte schließlich das Ende der Band zur Folge. Was danach kam bzw. zunächst parallel lief, war Wovenhand, vom Soloprojekt zur Band mutiert und letztens mit dem Lyrics-CD-Buch „Black Of The Ink“ und jenem oben erwähnten Livealbum gewürdigt.

Das Schleifen über Gitarrensaiten ist der erste Ton von „The Laughing Stalk“, ein Weckruf, eine Aufforderung an den Hörer jetzt die volle Aufmerksamkeit diesem Album zu widmen. Und jene Aufmerksamkeit, die in den spannungsgeladenen Songs ihren Ursprung hat, wird über die Gesamtspielzeit des Albums gehalten. Dafür sorgen diese hallenden vibrierenden Stromgitarren (Chuck French, David Eugene Edwards), die imstande sind innere und äußere Räume zu öffnen, den Horizont in reale und imaginäre Welten zu dehnen. Dazu der malmende, in der Magengrube rumorende Bass (Gregory Garcia jr.) und das pochende, verzögernde oder auf den Punkt kommende Schlagzeugspiel (Ordy Garrison), beides führt Zuhörer und Song die eigene Physis vor Augen, das geerdete Sein. David Eugene Edwards‘ Stimme ist in Kombination mit seinem Saitenspiel die Seele von Wovenhand, eine Seele die zu den Seelenverwandten, den Wovenhand-Anhängern spricht, sie im wahrsten Sinne des Wortes bewegt. Zudem rollt wiederholt die Orgel (Jeffery Linsenmeier) einen sakralen Teppich aus oder malt psychedelische Gemälde ins wuchtige Gesamtbild.

Wucht und Härte sind Begriffe, die einem beim Hören abermals in den Sinn kommen. Es mag nach Phrase klingen, aber dieses Album ist ein intensiver Trip, die Songs sind ein durchgehendes Ritual, so dass kein Titel hervorzuheben ist, weil das Gesamtpaket zündet, Hörer und Band stehen in Flammen, gemeinsam unverwundbar im Fegefeuer, im Licht dieser lichterlohen Aufnahmen. Müssen wir fürchten, dass demnächst die Auflösung von Wovenhand verkündet wird? Fürchtet euch nicht, solange David Eugene Edwards weiterpredigt werden alle Ängste durch den Edwardsschen Klangwolf gedreht. Alles wird gut!

Anspieltipps:

  • The Laughing Stalk
  • King O King
  • Maize
  • Glistening Back

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