Over Your Threshold - Facticity - Cover
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Over Your Threshold Facticity


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ladies and Gentleman! Die Nachfolge für das deutsche Progressive Death Metal-Gespann Obscura ist gesichert!

Mit den Worten „Mit „Omnivium“ schaffen sich Obscura ihre eigene Nische. Jeglichem Schubladendenken wird im Vorhinein durch ein breites musikalisches Spektrum entgegengewirkt, die Progressivität und das technische Know-How erledigten den Rest“ wurde das wohl beste Death Metal-Album der letzten Jahre in zwei Sätzen zusammengefasst und nach 1 ½ Jahren hat sich an diesem Status nichts geändert. Das dritte Werk der Münchner strotze einfach vor unbändigem Spielwitz und einem prophetischen Blick in die Death Metal-Glaskugel. Obscura hievten mit ihrem ambitionierten Todesbleioutput das Genre auf die nächste Stufe und übersprangen eine Evolutionsgeneration, in der man sich langsam der Perfektion annähert, und trafen sämtliche Nägel auf Anhieb punktgenau auf ihre Köpfe.

Dass es in nicht allzu ferner Zukunft den einen oder anderen Trittbrettfahrer geben wird, der sich an der dichten Spielweise und dem atemberaubenden Technikkorsett versucht, war seit der Veröffentlichung von „Omnivium“ klar. Keiner konnte jedoch ahnen, dass Obscura mit Over Your Threshold schon jetzt ein beinahe perfektes Abbild spendiert bekommen, welches mit „energetischen Death Metal-Riffing“, „brutalsten Blastbeat-Attacken, Thrash Metal, jazzigen Harmonien und dem charakteristischen Sound des Fretless Bass“ nach dem ersten Durchgang kaum von den omnipräsenten Vorbildern zu unterscheiden ist. Ludwig Walter (Gesang), Lukas Spielberger (Gitarre), Kilian Lau (Gitarre), Christian Siegmund (Bass) und Julian Matejka (Schlagzeug) heißen die fünf Herrschaften, die mit dem Erstling „Facticity“ den inoffiziellen Nachfolger zu „Omnivium“ stellen und die Wartezeit auf das nächste Obscura-Werk mit offenem Mund verstreichen lassen.

Bereits der Auftakt gelingt mit „Cortical blindness“ unerwartet routiniert. Tempo- und Stimmungswechsel fließen nahtlos ineinander über, die Shouts und Screams von Walter könnten denen Kummerers nicht ähnlicher sein. Und wenn mit dem folgenden Triumvirat „Contextual fluctuating“, „Obscure mind stasis“ und „Self exhibition“ die Länge der Songs die 4-Minuten-Marke überschreitet, agieren Over Your Threshold mindestens auf Augenhöhe mit den übermächtigen Idolen. Geniale Einfälle wie ein kurzes Perkussionssolo oder die allgemein faszinierenden Fingerfertigkeiten gepaart mit schwindelerregenden Geschwindigkeitsexkursen entsetzen und entfachen eine Maulsperre sondergleichen. Hat man sich erst einmal von der donnernden Wucht von „Facticity“ erholt, fallen jedoch immer wieder kleinere Unstimmigkeiten oder verbesserungswürdige Mosaiksteinchen auf, die den Klassenunterschied zu Obscura aufzeigen.

Drummer Matejka ist nämlich ohne Frage ein ausgezeichneter Schlagzeuger, sorgt für ordentlich Druck und beherrscht sein Instrument, die Variabilität mit der allerdings Hannes Grossmann durch die Botanik prescht und das Fundament zu den progressiven Todesbleikunststücken seiner Band legt, wird vom Over Your Threshold-Felldrescher leider nicht erreicht. Abgesehen davon hält der Fünfer sein meisterhaftes Anfangstempo und den ausgezeichneten Ideengehalt nicht aufrecht und verzettelt sich ein wenig mit der unnötig verschachtelten Nummer „Body part illusion“, klingt in „Antic“ lediglich nach einer Obscura-Coverband und besitzt mit „Abdicated“ sogar Füllmaterial, das trotz beeindruckender Technik nichts mit der grandiosen ersten Hälfte gemein hat. Ähnliches gilt auch für den abschließenden Titeltrack, der nicht so recht weiß, ob er ein stimmungsvolles Outro sein will oder ein donnerndes Finalspektakel. Nichtsdestotrotz ist „Facticity“ ein verdammt starkes Album und die angesprochenen Makel fallen großteils in die Kategorie „Jammern auf hohem Niveau“. Over Your Threshold ist definitiv ein fulminantes Debüt geglückt und wer mit seinem ersten Longplayer mit den mächtigen Obscura mithalten kann, dem gebührt ohnehin Respekt. Chapeau, die Herren!

Anspieltipps:

  • Self Exhibition
  • Obscure Mind Stasis
  • Contextual Fluctuating

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