Oceana - My House - Cover
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Oceana My House


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 59 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Frau Mahlmann liefert mit ihrem Zweitling ein ärgerliches Zugeständnis an den Kommerz ab.

Herausragende Stimmen hat die Welt schon einige gehört. Oceanas soulinfiziertes Timbre gehört mit Sicherheit ebenfalls dazu, nur kamen bereits nach ihrem Debüt „Love Supply“ (05/2009) Zweifel auf, ob die geborene Hamburgerin ihr Organ nicht mit den falschen Sounds füttert, hatte ihre Albumpremiere schließlich mehr mit luftig-lockerem bis unspektakulärem Chartspop zu tun als mit vom Leben gezeichneten Amy Winehouse-Weltschmerz. „Ich möchte mit meiner Musik Spaß und gute Laune vermitteln. Es geht mir dabei um Freiheit und darum ein Lebensgefühl zu überbringen, das einen ein Stück weit aus dem Alltag zieht“ verlautbarte die 30jährige damals und an dieser Prämisse hat sich auch auf „My House“ nichts geändert.

Der titelgebende Opener watet zwar mit düsteren Voodoochants im schlammigen Mississippi umher, „Say sorry“ prangert die ewig gleichen Ausflüchte des Geliebten in rauchiger Clubatmosphäre an und „Some people“ beginnt auf Minimalismus getrimmt mit zurückhaltender Pianomelodie, doch der Rest bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen nettem Popeinerlei und vergessenswertem Eurodance-Mist. Die Idee, die unsägliche UEFA Euro 2012-Hymne „Endless summer“ gleich dreimal anzubieten, trägt trotz der beiden erträglichen Reggae-Versionen (als „Sunshine everyday“ mit leicht umgebautem Text und einmal ohne Veränderungen als Hidden Track) ebenfalls nicht zu Freudensprüngen bei.

Was bleibt ist zurückgelehnter Soulbeat mit Kopfnickgarantie („Amazing“), Electrogospel für den Kindergeburtstag („Lose control“), karibisches Flair im Afrobeatgewand als Sommerhitanwärter („Sweet violet“), mit knarzigen Samples um sich werfendes Tanzbodenmaterial („Diamonds“) und neben der Spur liegende Kompositionen, die scheinbar für irgendwelche Disneygören geschrieben wurden („Put your gun down“), zu lange am Auspuff von Rihanna geschnüffelt haben („Love is dying“) oder mit einer übermäßigen Portion Selbstvertrauen selbst Oceanas Stimme verstümmeln können („Hopes & sins“). Zur echten und durchaus gefälligen Coverversion von „A rockin´ good way“ gesellen sich noch „Don´t walk away“ als „Under the boardwalk“-Verschnitt und „Better days“ mit „Uptown girl“-Stimmung auf Pixie Lott-Betriebstemperatur.

Abwechslung ist Fräulein Mahlmann wichtig, darüber lässt sich auf „My House“ sicherlich nicht streiten. Wieso dieser Facettenreichtum allerdings zu großen Teilen nichtssagenden Popmüll abwerfen muss anstatt hochkarätiges Material mit Oceanas keineswegs dünner Stimme zu veredeln, bleibt jedoch ein Rätsel.

Anspieltipps:

  • Amazing
  • Say Sorry
  • Diamonds
  • Some People

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