Elbow - Dead In The Boot - Cover
Große Ansicht

Elbow Dead In The Boot


  • Label: Fiction/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein tief unter die Haut gehendes B-Seiten-Album, das den regulären Alben Elbows in nichts nachsteht.

Ganz leise und unbemerkt, ohne großes Brimborium, erschien vor fast zwei Monaten ein Album von Elbow. Es gab keine Werbung und auch keine Promo. „Dead in the boot“ heißt es und nach einigen Gedanken mit diesem Titel, dessen Übersetzung sinngemäß „tot im Kofferraum“ lautet, dämmert es einem langsam. Es handelt sich um etwas verstecktes, etwas das nicht an die Öffentlichkeit soll. Im Dunkel vor neugierigen Blicken geschützt. Doch irgendwann kommt es dennoch zum Vorschein, auch wenn 12 Jahre vergehen müssen. So erblickten nach dieser Zeit dreizehn B-Seiten von Elbow das Licht der Öffentlichkeit.

B-Seite ist heutzutage ein inflationärer Begriff. Weiß überhaupt noch jemand was das ist und woher das kommt? Irgendwie hatte das mit LPs zu tun und Singleauskopplung, oder? Heute heißt das meist Bonus Track und wird überall auf irgendwelche Special Editions gehauen. Oft übereilt und ungenügend überarbeitet, die Fans werden es schon fressen. Doch Elbow machen es auf die alte Art und Weise, sammeln über Jahre die übrig gebliebenen und nicht verwendeten Songs und basteln anno 2012 daraus ein eigenständiges Album mit seinem eigenen Charme. Herrlich entspannt und ruhig sind die Stücke, voller Lässigkeit und ohne jegliche Ansprüche auf irgendwelche Ohrwürmer, glatt möchte man dies als „english laziness“ titulieren. Obwohl, im ersten Stück ist sogar einiges an interessantem Krach zu hören, der die Melancholie durchbricht. Doch danach wird es mit „Lucky With Disease“ sofort sehr leise und traurig. „The Long War Shuffle“ hat einen schönen Blueseinfluss und glänzt dank toller Slide-Gitarre.

Die Stücke sind zumeist sehr sparsam instrumentiert und doch hat jeder Song seine charakteristische Note - ob Glockenspiel, kurzes Klavierthema, mehrstimmige Motive oder ein knarzender Schaukelstuhl. Mit zarten Betonungen und der Märchenonkelstimme von Guy Garvey suchen die Songs nach neuen Wegen, neuen musikalischen Ideen. Natürlich sind sie nicht mit ganz so viel Detailliebe versehen, wie die Stücke erster Wahl. Dafür sind sie nachdenklicher und greifen noch tiefer unter die Haut, weil sie ihren traurigen Kern gar nicht erst zu schmücken versuchen. Wie sagt man doch so schön, stille Wasser sind tief.

Die erstaunlich einheitliche Atmosphäre schafft es, die Stücke zu einer Einheit zu formen, trotz ihrer Unterschiede und den vielen Jahren zwischen ihrer Entstehung. „Dead in the Boot“ hört sich daher in keiner Weise wie ein wahllos zusammengewürfeltes Sammelsurium von Musik an, die über all die Jahre auf der Strecke geblieben ist, obwohl es eigentlich genau das ist. Dieses Album braucht sich nicht vor all den anderen der Band zu verstecken. Es sollte weder tot im Kofferraum noch tot im Regal liegen.

Anspieltipps:

  • The Long War Shuffle
  • Every Bit The Little Girl
  • Buffalo Ghosts
  • Snowball

Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Elbow“
comments powered by Disqus