Melissa Etheridge - 4th Street Feeling - Cover
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Melissa Etheridge 4th Street Feeling


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Melissa Etheridge entdeckt den gepflegten Bluesrock mit Country-Elementen.

Nach 25 Jahren im rauen Musikbiz muss man sich als Künstlerin eigentlich nichts mehr beweisen. Melissa Etheridge legt nun schon Album Nummer zwölf vor, musiziert immer noch beim Majorlabel und komponierte wie gewohnt alle zwölf Songs selbst. Jacquire King (Norah Jones, Kings Of Leon, Tom Waits) wurde als Produzent auserkoren und begleitete die erfahrene Musikerin im Studio. Neben ihrem markanten energischen Rockröhrengesang steuerte Melissa Gitarren, das Keyboard, Banjo und die Mundharmonika dazu.

Wer den ersten erdigen Track „Kansas“ hört, meint automatisch, Etheridge wendet sich dem Country zu. Das wird aber von den anderen Songs widerlegt: Melissa Etheridge frönt stattdessen hauptsächlich dem Blues-Rock, was zunächst etwas ungewohnt klingt. Die Songs entfalten erst nach mehrmaligem Hören ihre Qualitäten und so einen interessanten Track wie „A disaster“ hat Etheridge schon länger nicht mehr vorgelegt: Mit den etwas ungewohnten Pianoklängen beginnt ein zunächst sanfter Track inklusive dezenten Drums. Das Piano regiert, die Stimme gibt alles und nach einem erneutem opulenten Pianoauftritt mit Tempowechsel könnte man fast meinem, die Songwriterin beschäftigt sich auch noch mit emotionaler Popmusik. „Sympathy“ wildert aber wieder in Rockgefilden und klingt nach Retrorock der 80er im positiven Sinne.

Stimmlich gönnt die Sängerin dem Hörer die Bandbreite von energiegeladen über ausdrucksstark bis sanft und überzeugt auf ganzer Linie. Der Aufrüttel-Song „Enough Rain“ zeigt die Etheridge wieder in ihrem rockigen Element. Auch wenn ab und an die Bluesbremse gezogen wird, langweilen diese guten Melodien und Gitarrenkünste kombiniert mit dieser einzigartigen Stimme nie. Ein Herbstalbum, das durch seine Schnörkellosigkeit und erdige Qualität punktet.

Die Grundstimmung der CD ist euphorisch und kämpferisch, wobei textlich auf vielfältige Themen wie Liebe, Rückschau auf die bewegte Vergangenheit und neuer Lebensmut eingegangen wird. „Shout now“ gehört dabei zu den Höhepunkten, denn wenn die 51jährige recht aggressiv ihre Meinung singt, bemerkt man die immer noch kampfeswütige Frau, die gern gegen den Strom schwimmt und Schicksalsschläge annimmt. Musikalisch geht es wie erwähnt bluesrockig zu und bis auf zwei Balladen jammen Melissa und ihre Band munter und spielfreudig vor sich hin. Den Spagat zur eingängigen Radiotauglichkeit bekommt die Musikerin souverän hin, man höre „Be Real“, wobei die Hinwendung zur eher gepflegten Rockmusik durchaus gelungen klingt und mit jedem Durchgang in der Gunst wächst.

Anspieltipps:

  • Shout now
  • Be Real
  • A Disaster
  • Enough Rain

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