Sizarr - Psycho Boy Happy - Cover
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Sizarr Psycho Boy Happy


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

So klingt moderne Popmusik, die sich nicht nach jedem Mode-Furz umdreht.

Och nee! Die sind mir zu negativ! Bitte, bleib mir bloß weg mit Radiohead! An der bahnbrechenden Brit-Band scheiden sich bekanntlich und regelmäßig die Geister. Zu düster, zu a-melodisch, zu sehr auf Falsett-Gesang aus, zu viel Radiohead eben. Spätestens mit „Lotus Flower“ zeigten die Mannen um Sänger Thom Yorke aber wieder, wie gut es um ihr modernes Pop-Gefühl bestellt ist. Die angenehm elektronisch treibenden Beats und der Bass ließen aufhorchen und manche Indie-Clubs in Glücksströme ausbrechen. Was würde man nur für durchgehend besser gelaunte Pop-Musik dieser Klasse geben?

Das Warten hatte immer nur ansatzweise ein Ende. Alex Clarke beglückte uns mit „Too Close“, wohingegen der Rest des Albums nur Mittelmaß erreichte und auch Anna Aaron konzentriert sich noch zu sehr auf Rock, um modern und frisch klingender Pop-Musik den Weg zu ebnen. Da kommt der pfälzische Dreier Sizarr aus Landau gerade recht, um den Pop und das deutsche Image weiter aufzupolieren. Hypnotische Rhythmen und genug Abwechslung zwischen Synthesizern und Mut zu organischen Powereinschüben wie kräftigen Bläsern (gleich im Opener) sind ein gesundes Rezept für anständige Popmusik.

Zwar geben sich auch Sizarr die eine oder andere Blöße (wie die unentschlossene Ballade „Blade“), doch allein was die erste Albumhälfte bietet, übertrifft alle Wünsche für rhythmisch geprägte Popmusik. Der Spaß wird auch gleich in allen Geschwindigkeiten und emotionalen Gangarten präsentiert. Von getriebener Musik für die Tanzfläche („Boarding Time“) geht es zum intimen Beieinander in „Tagedieb“ und „Icy Martini“.

Sizarr haben sich ihre Grenzen ganz klar gesetzt, bewegen sich innerhalb dieser jedoch mit einer Leichtigkeit, die nur wenige Wünsche offen lässt. So sphärische, aber gleichzeitig fokussierte Popnummern kennt man sonst nur aus Skandinavien. Allein „Cat Mountaineer“ sprudelt vor Elementen, die zusammen ein Indie-Erlebnis schaffen, welches einfach den Spagat aus Melodie und Experiment schafft. Sizarr aus Landau dürften jetzt schon die Köpfe rauchen, wie sie dieses Debüt in ein paar Jahren ebenbürtig fortführen sollen. Hoffentlich gibt es keinen Polarkreis 18-Ausverkauf. Lasst euch Zeit und verliert die Lust an dieser Art von Musik ja nicht!

Anspieltipps:

  • Cat Mountaineer
  • Run Dry
  • Mulo

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